Warum ein Mörder wie ein Held gefeiert wird

von Redaktion

Im Internet werden zahlreiche T-Shirts und andere Produkte mit dem Konterfei des Killers angeboten.

Washington – Noch bevor die Polizei Luigi M. festnahm, wurde der 26-Jährige im Internet als „Robin Hood“ des 21. Jahrhunderts gefeiert. Und das, obwohl er den Chef des milliardenschweren US-Versicherers United Healthcare mitten in New York erschossen haben soll. Schnell wich das Entsetzen über die Tat der geballten Wut vieler Menschen auf das amerikanische Gesundheitssystem und die Versicherungsbranche in den USA. Und Luigi M., der des Mordes angeklagt ist, wurde in Windeseile zum Helden stilisiert.

T-Shirts, Hoodies, Kaffeetassen und Schnapsgläser mit dem markanten Gesicht des wegen Mordes Angeklagten gibt es mittlerweile im Internet zu kaufen. Die Polizei äußerte die Befürchtung, dass Luigi M. als „Märtyrer und Vorbild“ gefeiert werden und Nachahmer inspirieren könnte. Der Gouverneur von Pennsylvania, Josh Shapiro, warnte davor, den Täter zu glorifizieren, und bezeichnete die Aufmerksamkeit in dem Fall, vor allem im Internet, als „zutiefst beunruhigend, da einige den Mörder feiern wollten, anstatt ihn zu verurteilen“.

Das Netz folgt eigenen Gesetzmäßigkeiten, wenn es darum geht, was zu einem Hype wird. Schnell werden Ereignisse, Personen und Narrative in kürzester Zeit populär, entwickeln eine Eigendynamik – unabhängig davon, wie sie in der analogen Welt wahrgenommen werden. Dennoch hat die Tötung des Versicherungschefs Brian Thompson die USA nicht nur aufgewühlt, sondern auch die Verzweiflung über das Gesundheitssystem offengelegt.

Auch wenn die Ermittlungen andauern: Es deutet sich an, dass der mutmaßliche Schütze – ein Absolvent einer Eliteuni und Sohn einer wohlhabenden Familie – es mit seiner Tat gezielt auf die Versicherungsbranche abgesehen hat. Bei einigen hat er damit offenbar einen Nerv getroffen. Viele Menschen sind frustriert, verzweifelt – und wütend.

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