Frank Ribéry und Toni Kroos spielten 2012 Schnick-Schnack-Schnuck um einen Freistoß. © Imago
Mentalist Timon Krause gibt Gewinner-Tipps. © dpa
Schere, Stein, Papier: In Köln spielen Nils Jaspert (li.) und andere derzeit um den Weltmeister-Titel im Schnick-Schnack-Schnuck. © Banneyer/dpa (2)
Köln – Die Szene ist legendär unter Fußballfans: Per Schnick-Schnack-Schnuck entschieden Toni Kroos und Franck Ribéry bei einem Spiel gegen die Hertha vor zwölf Jahren, wer beim Stand von 3:0 einen Freistoß schießen darf. Lustig, fanden die einen. Respektlos, die anderen. Ribéry zeigte Papier, Kroos den Stein, Ribéry wickelte also Kroos’ Stein ein und schnappte sich den Ball.
Legendär ist auch das Spiel selbst: Schere, Stein, Papier. Faust bedeutet Stein, flache Hand ist Papier, die ausgestreckten Zeige- und Mittelfinger sind Schere. Der Stein schlägt die Schere (weil er sie stumpf macht), die Schere schlägt das Papier (weil sie es schneidet), das Papier schlägt den Stein (weil es ihn einwickelt).
In Köln wird derzeit um den Weltmeister-Titel in Schnick-Schnack-Schnuck gespielt. Der Wettbewerb wird unter dem Namen „Schnick Schnack Schluck“ neunmal pro Jahr in Kölner Kneipen ausgetragen. Das Finale findet am 19. Dezember in der Kölner Kultkneipe Stiefel statt.
„Rollender Stein“, der im Alltag Nils Jaspert heißt, sei eine Legende in der Szene, sagen andere Teilnehmende. Seit zehn Jahren sei er dabei, dreimal habe er den Titel bereits gewonnen. Man habe das Gefühl, der Mann könne Gedanken lesen, sagt einer seiner Konkurrenten mit dem Kampfnamen „Dennis 508“. „Er weiß immer genau, was man als Nächstes macht.“
Jaspert alias „Rollender Stein“ selbst meint, man müsse die Gegner nur lange genug beobachten – schon beim Aufwärmen. Dann erkenne man, ob sie „Steinmenschen, Scherenmenschen oder Papiermenschen“ seien. Der Erfolg sei kein reiner Zufall, da ist er sich sicher. „Es ist wie beim Poker. Da sagen ja auch viele, das ist nur Glück, aber es kommen immer die Gleichen ins Finale. Und es gibt Profis.“
Mathematisch gesehen ist „Schnick-Schnack-Schnuck“ ein reines Zufallsspiel. Die Wahrscheinlichkeit, mit Schere, Stein oder Papier zu gewinnen, liegt genau gleich hoch, jeweils bei einem Drittel. Doch viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltcups beteuern, dass Können eine ernsthafte Rolle spiele. Wie passt das zusammen?
Timon Krause, hauptberuflicher Mentalist und Zauberkünstler, erklärt, es sei durchaus möglich, beim Schnick-Schnack-Schnuck Gegner zu lesen, indem man ihre Wurftechnik analysiert und abschätzt, welches Symbol sie werfen werden. Diese Informationen könnten manche Spieler „in Echtzeit“ verarbeiten. Allerdings handle es sich dabei weltweit um einige wenige professionelle Mentalisten. „Ich selbst kann das nicht“, gibt Krause zu.
Wer im Alltag bei Schnick-Schnack-Schnuck gewinnen möchte, für den gibt es laut Krause zwei simple Prinzipien zu beachten, um die eigenen Gewinnchancen zu erhöhen. Nummer eins: Menschen blieben nach einem Sieg oft bei ihrer erfolgreichen Strategie. Bei einer Niederlage wechselten sie hingegen häufig zu dem Symbol, mit dem sie in der vorangegangenen Runde gewonnen hätten. Nummer zwei: Statistisch betrachtet werfen viele Menschen in der ersten Runde Schere.
Daraus leitet Krause die Strategie ab, in der ersten Runde Stein zu spielen. Gewinnt man, sollte man in der zweiten Runde Schere wählen, da der Gegner dann wahrscheinlich Papier spielt. In der dritten Runde wäre Papier das beste Symbol, empfiehlt der Mentalist. Diese Taktik funktioniere jedoch nur, solange der Gegner sie nicht ebenfalls kenne. Bei einer Weltmeisterschaft lasse sie sich kaum anwenden.