Roboter in der Pflege? – Schon, aber…

von Redaktion

Ein sozialer Roboter im Seniorenheim. © Anspach/dpa

Mannheim – Den Kopf ein wenig schief gelegt schaut Oskar mit weit aufgerissenen Augen sehr süß und sehr kindlich aus der Wäsche. Rund 80 Zentimeter groß und gendergerecht angetan mit einer blauen Wollmütze blickt er Maria Karusseit direkt ins Gesicht. Die 74 Jahre alte Bewohnerin des Altenheimes der Evangelischen Heimstiftung in Mannheim mag Oskar.

Er ist ein sogenannter sozialer Roboter und wird schon seit Ende 2023 in dem Seniorenwohnheim erprobt. Er kennt die Musikgruppe R.E.M. und auch Johann Sebastian Bach. Karusseit erzählt ihm davon, wie sie einst Bingo spielte und von ihrem Ruf als Glücksfee. Manchmal spricht sie mit ihm über Tierdokus, sagt sie. Oskar kann Blickkontakt aufnehmen, geduldig zuhören, Fragen beantworten. Und vor allem stellt der kleine Mann auch selbst sehr viele Fragen.

„Das motiviert die Bewohner, die mit ihm interagieren“, sagt Ralf Bastian, Leiter der Mannheimer Einrichtung. Oskar sei immer zugewandt, immer geduldig, nie schlecht gelaunt. „Er triggert immer positiv.“

Bundesweit sind die „Sozialroboter“ des Münchner Unternehmens Navel Robotics schon seit dem Herbst 2023 in einigen Pflegeheimen im Einsatz – im Südwesten etwa in Albershausen, einem weiteren Heim der Evangelischen Heimstiftung, und in einer Einrichtung des ASB Ludwigsburg. Laut einem Unternehmenssprecher „arbeiten“ die künstlichen Helfer in rund 15 Einrichtungen bundesweit, und sie werden im europäischen Ausland an Universitäten getestet. Kommendes Jahr soll Navel den Angaben zufolge in Serie gehen.

Unterschieden wird generell zwischen mehreren Formen von Robotik. So gibt es sogenannte Serviceroboter, die etwa Pflegeutensilien oder Schmutzwäsche durch die Gegend fahren können. Manche sind auch in der Lage, dem Personal Bescheid zu geben, wenn sie nachts auf Patrouillenfahren einem umherirrenden Patienten begegnen, schreibt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA. Dann gibt es robotische Systeme, die bei der Hebearbeit helfen können. Und eben soziale Roboter wie Oskar.

Ob soziale Roboter – oder auch andere Roboter – aber tatsächlich dazu beitragen können, angesichts dramatischen Fachkräftemangels und absehbar immer mehr alten Menschen die drängenden Probleme in der Pflege zu lindern, ist durchaus umstritten. Es gebe zahlreiche ethisch-moralische Fragestellungen wie Kontaktverlust, Täuschung, Würde, Privatsphäre oder Datenschutz, die noch nicht geklärt seien, sagt ein Sprecher des Caritasverbands für die Erzdiözese Freiburg.

Die Stiftung Patientenschutz hat ebenfalls kein allzu gutes Gefühl dabei. „Beim Wort Roboter zucke ich zusammen“, sagt Vorstand Eugen Brysch. „Dass ein Roboter die Pflege am Menschen übernehmen kann, das glaube ich nicht. Den Körperkontakt kann der Roboter nicht ersetzen. “

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