Hoffen auf päpstlichen Ostersegen

von Redaktion

Ärzte empfehlen Franziskus nach schwerer Krankheit aber noch Schonung

Der Petersplatz in Rom. © Medichini/DPA

In Zivilkleidung: Der Papst im Petersdom. © AFP

Vor einem Jahr erteilte Papst Franziskus von der Loggia des Petersdoms den Segen „Urbi et Orbi“. Wie wird es in diesem Jahr sein? © epd

Vatikanstadt – Kommt er oder kommt er nicht? Die Frage, inwieweit Papst Franziskus beim höchsten Fest der Christenheit öffentlich in Erscheinung tritt, bewegt die Katholiken in der Karwoche und vor dem Osterfest. Bis kurz vor Beginn der Feierlichkeiten hält sich der Vatikan bedeckt, ob und wann der Heilige Vater zu sehen sein wird. Experten werten das auch als Zeichen dafür, dass der 88-jährige Franziskus alles daran setzt, zumindest am Ostersonntag auf der Loggia des Petersdoms zu stehen, um den wichtigen Segen „Urbi et Orbi“ (Der Stadt und dem Erdkreis) zu spenden. Noch dazu im Heiligen Jahr.

In den vergangenen 14 Tagen hatte der Pontifex Schlagzeilen gemacht mit einigen unerwarteten „Ausflügen“ oder dem überraschenden Empfang des britischen Königspaares. Wie berichtet, war Franziskus einmal sogar überraschend in Zivilkleidung im Petersdom aufgetaucht, als er sich von seinem persönlichen Krankenpfleger eher privat im Rollstuhl zum Gebet in die Basilika hatte schieben lassen. Der Spontan-Auftritt in weißem Shirt, schwarzer Hose und einer Art Poncho um die Schulter hatte im Vatikan in der vergangenen Woche für Aufregung gesorgt, zumal Fotos davon sogleich im Internet gelandet sind. „Darf sich ein Papst so zeigen?“, fragten umgehend einige Bedenkenträger.

Obwohl die Ärzte dem Papst nach der schweren Lungenentzündung strikte Erholung verordnet hatten, scheint Franziskus seinen Aktionsradius Stück für Stück erweitern zu wollen. Er war ohne Sauerstoffkanüle in der Nase zu sehen, ist offensichtlich weiter auf dem Weg der Besserung. Spekuliert wird nun sogar darüber, dass es an Ostern ein spektakuläres politisches Treffen geben könnte: US-Vizepräsident JD Vance soll Ostern mit seiner Familie in Rom verbringen. Mit Vance, der erst vor fünf Jahren zum katholischen Glauben übergetreten war, könnte der Papst eine kontroverse Debatte etwa über Migrationspolitik führen. Insgesamt ist das Verhältnis des Papstes zu US-Präsident Donald Trump und dessen Regierung belastet. Was die Planung der Kartage anbelangt, ist bis zu diesem Zeitpunkt zumindest klar, dass die Chrisam-Messe im Petersdom am Morgen des Gründonnerstags vom emeritierten Präsident der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls, Kardinal Domenico Calcagno, übernommen wird. In der Messe werden die heiligen Öle etwa für Taufe und Firmung geweiht. Abends ist traditionell in Erinnerung an das Letzte Abendmahl, bei dem Jesus den Jüngern die Füße gewaschen hatte, die Fußwaschung. Der Papst hatte in den vergangenen Jahren Menschen in Gefängnissen diesen Dienst erwiesen. In diesem Jahr ist klar: Die Feier findet im Petersdom statt, die Liturgie leitet Kardinal Mauro Gambetti. Für den traditionellen abendlichen Kreuzweg an Karfreitag unter freiem Himmel im Kolosseum ist so gut wie ausgeschlossen, dass der Papst dabei sein wird. Noch dazu kündigen Meteorologen Regen und Wind an – kein Wetter für den genesenden Papst. Aber trotzdem wird der Heilige Vater bei der Feier dabei sein, denn die meditativen Texte stammen aus seiner Feder. Interessant sein dürfte, inwieweit seine Erfahrungen aus der Zeit der lebensgefährlichen Erkrankung eingeflossen sind.

Für Ostersonntag prophezeien die Wetter-Experten bessere Voraussetzungen: Da soll es wieder sonnig und trocken werden. Die Aussichten, dass Franziskus zumindest den Ostersegen spenden kann, stehen also nicht schlecht.
CLAUDIA MÖLLERS

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