Die Menschen sind ins Freie geflohen. Danach gab es über 100 Nachbeben. © Akgul/AFP
Istanbul – Das erste Mal bebte am Mittwoch um 12.49 Uhr in Istanbul die Erde. Die Häuser fingen an zu zittern, tausende Menschen liefen in Panik auf die Straßen. „Ich habe das Beben gespürt und bin rausgerannt“, sagte ein Maler in der Nähe des Galata-Turms, der vier Stockwerke hinunter hetzen musste.
Nach nur etwa 13 Sekunden ist der Schrecken vorbei. Nach offiziellen Angaben hatte das Erdbeben eine Stärke von 6,2 in einer Tiefe von rund zehn Kilometern, etwa 60 Kilometer westlich von Istanbul im Marmarameer. Es war damit das Schwerste in der Region seit über 25 Jahren.
Bisherigen Informationen zufolge ist niemand bei dem Erdbeben ums Leben gekommen. 151 Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert, unter anderem weil sie aus Panik aus Gebäuden gesprungen sind. Lebensbedrohlich verletzt ist laut dem Istanbuler Gouverneur Davut Gül allerdings niemand. Informationen über eingestürzte Wohnhäuser in der 16-Millionen-Einwohner-Stadt lagen zunächst ebenfalls nicht vor. Schulen und Universitäten blieben bis zum Wochenende geschlossen, teilte das Bildungsministerium mit.
Doch damit könnte es nicht gewesen sein. Wissenschaftler halten noch stärkere Nachbeben für möglich. Nur 13 Minuten nach dem ersten Beben wurde die Erde bereits erneut erschüttert, diesmal mit einer Stärke von 5,3. Auch in Griechenland und Bulgarien waren die Erdstöße zu spüren. Bis zum frühen Abend zählten die Behörden insgesamt 127 Nachbeben. „Das stärkste davon hatte eine Stärke von 5,9“, sagte Innenminister Ali Yerlikaya.
Istanbul lebt in der Furcht vor einem „Big One“ – einem verheerenden, besonders starken Erdbeben. Einige südliche Stadtbezirke sind nur 15 Kilometer von der Nordanatolischen Verwerfung entfernt, die zu den aktivsten Erdbebenzonen der Erde gehört. Einige Experten halten ein Erdbeben der Stärke 7 bis zum Jahr 2030 für möglich, wodurch hunderttausende Gebäude ganz oder teilweise einstürzen könnten.