Vom Hafen von San Antonio de la Playa in Can Pastilla (siehe Bild) in Richtung Cabrera: Diese Route schlugen zwei obdachlose Spanier mit einer gestohlenen Jacht ein. © Clara Margais/dpa
Zwei obdachlose Spanier haben eine Segeljacht gestohlen, jedoch endete die Aktion abrupt. Die Wasserschutzpolizei rettete die in Seenot geratenen Männer. © guardia civil/dpa
Palma – Leben auf einer Jacht mitten auf dem offenen Meer: Das weckt Bilder von Luxus, von reichen Familien in Hollywood-Filmen und überschäumenden Champagnerflaschen auf sonnigem Deck. Vielleicht hatten das zwei obdachlose Spanier, 53 und 59 Jahre alt, ähnlich im Kopf. Die zwei Männer, die normalerweise auf dem Flughafen von Mallorca übernachten, haben jedenfalls am Ostersonntag eine Segeljacht gestohlen. Das zwölf Meter lange und vier Meter breite Prachtstück fanden die zwei Diebe im Hafen von San Antonio de la Playa in Can Pastilla in der Nähe des Ballermanns. Die Aktion endete allerdings alles andere als luxuriös – sie endete volltrunken und in Seenot.
Zunächst hätten die zwei Spanier das Gefährt aufgebrochen und seien daraufhin damit in See gestochen, teilte die Polizei mit. Einer der beiden kannte sich wohl mit Segeln aus, er übernahm das Steuer. Am Ostermontag waren die zwei Bootsdiebe bereits 25 Kilometer weiter südlich in der Nähe von Cabrera, einer kleinen Nachbarinsel Mallorcas. Der Diebstahl blieb allerdings nicht lange unbemerkt, das Boot war schnell als gestohlen gemeldet worden. Die Polizei war also schon auf der Suche.
Auf offener See und weit weg von der eigentlichen Anlegestelle nutzten die beiden Diebe die Gelegenheit: Sie plünderten völlig unbemerkt die Essens- und insbesondere auch die Alkoholvorräte – und das nicht zu wenig. Der „Kapitän“ trank sogar so viel, dass er bewusstlos wurde. Überfordert, orientierungslos und in Panik geraten, versuchte der andere Dieb per Funk Kontakt zum Festland aufzunehmen.
Jedoch wusste der Mann überhaupt nicht, wo genau die Jacht schipperte. Auch die Anweisungen der Wasserschutzpolizei habe er nicht verstanden, damit diese seine Position hätte bestimmen können, berichten Inselmedien. Letzte Chance: den Seenotsender von Bord aus ins Meer werfen. Denn der Sender wird automatisch ausgelöst, sobald er vollständig mit Wasser in Kontakt kommt, und übermittelt im Notfall die Position des Bootes.
Schlussendlich gelang dadurch eine Standortbestimmung. Die beiden Diebe seien sehr erleichtert gewesen, als sie endlich von der Wasserschutzpolizei gerettet und festgenommen wurden, wie die Inselmedien außerdem berichten. Die beiden Männer müssen sich nun vor Gericht für Raub verantworten.
Zunächst war nicht bekannt, ob die „Seefahrer“ nur auf ein Abenteuer aus waren oder ob sie eine neue Bleibe suchten. Durch die hohen Mietpreise, die illegale Ferienvermietung, den Massentourismus und einen Mangel an Angeboten ist die Wohnungsnot auf der Urlaubsinsel groß. Makler warnen sogar bereits vor einer Wohnungskrise.
Erst Anfang Januar veröffentlichte das spanische Ministerium für Wohnungsbau neue Zahlen zum Immobilienmarkt. In der Analyse heißt es, dass der Bestand von Wohnungen innerhalb eines Jahrzehnts von ehemals etwa 15 000 Immobilien im Jahr 2012 auf rund 6000 Ende 2023 geschrumpft sei. Ein Rückgang von 60 Prozent. Die auf Mallorca lebenden Menschen können sich außerdem teilweise nur noch schwer eine Wohnung leisten. Die Folge: steigende Obdachlosigkeit. Manche übernachten deshalb notgedrungen im Eingangsbereich des Flughafens, obwohl der Betreiber Obdachlose dort immer wieder vertreibt.
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