Irvine – Neue Hoffnung im Kampf gegen Alzheimer. Zwei US-Forschern gelang es zum ersten Mal, Zellen so umzuprogrammieren, dass sie bislang unheilbare Hirnleiden wie Altersdemenz nicht nur bekämpfen – sondern auch rückgängig machen können.
Den Neurobiologie-Professoren Matthew Blurton-Jones und Robert Spitale von der University of California Irvine war es gelungen, Stammzellen in Hirnimmunzellen zu verwandeln. Diese sogenannten Mikroglia sind in der Lage, toxische Ablagerungen im Gehirn ausfindig zu machen und sie dann zu beseitigen.
Das Problem allerdings bei den natürlich im Gehirn vorkommenden Immunzellen: Sie beschleunigen mittelfristig das Leiden, weil sie ungebremst Enzyme freisetzen, die dann weitere Entzündungen auslösen und Neuronen beschädigen. Deshalb programmierten die Wissenschaftler ihre Labor-Mikroglia so, dass diese gezielt eingesetzt werden können und den Schaden im Gehirn nicht verschlimmern. In den Worten von Blurton-Jones in einem von der Universität Irvine herausgegebenen Presse-Statement: „Wir konnten die größte Hürde der Behandlung von degenerativen Hirnleiden, die Blut-Hirn-Schranke, umgehen. Denn unsere Mikroglia sind bereits im Gehirn vorhanden und wurden von uns so programmiert, dass sie nur so lange tätig sind, wie sie gebraucht werden.“
In Versuchen mit den laborgezüchteten Immunzellen führte das bei Mäusen zur Wiederherstellung von Erinnerungsvermögen. Auch wurden die Ablagerungen im Gehirn so gezielt abgebaut, dass kein gesundes Gewebe beschädigt wurde. Blurton-Jones: „Das hat die Entzündungen im Gehirn stark reduziert, was gleichzeitig die Hirnfunktionen bei den Mäusen drastisch verbessert hat!“ Zwar liegen die ersten Versuche mit Menschen noch ein paar Jahre in der Zukunft, doch Professor Spitale ist sich sicher, „dass unsere Arbeit die Tür zu einer ganz neuen Form der Hirntherapie aufgestoßen hat“.
Nach neuesten Berechnungen leben in Deutschland derzeit rund 1,84 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die meisten der Betroffenen leiden demnach an Alzheimer.
CTH