Auf ein Nickerchen am Ludergraben

von Redaktion

Der Autobahnparkplatz Ludergraben, © Schmitt/epd

Stuttgart, Berlin – Bierberg, Lederhose oder Ludergraben: Nein, das sind keine Bars am Ballermann. Das sind Namen von Parkplätzen an deutschen Autobahnen. Mit seinen rund 13 200 Kilometern zählt das deutsche Autobahnnetz zu den größten weltweit. Entsprechend viele Haltemöglichkeiten braucht es.

„In Deutschland gibt es derzeit etwa 440 bewirtschaftete Rastanlagen mit Tankstellen und Raststätten sowie rund 1500 unbewirtschaftete Rastanlagen“, sagt ein Sprecher der Autobahn GmbH in Berlin.

Alle von ihnen haben Namen. Aber wer entscheidet über deren Benennung? Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr gibt vor, dass bewirtschaftete Rastanlagen Namen haben, die die Landschaft großräumig beschreiben; es sind also beispielsweise Berge, Täler oder Flüsse maßgeblich. Unbewirtschaftete sollen eher nach lokalen Flur- oder Bergnamen benannt werden.

Die Bürger haben die Möglichkeit, sich zu beteiligen. „Vorschläge für die Benennung sollten an die Kommune gerichtet werden, in deren Gemarkung die betreffende Rastanlage liegt“, so der Autobahnsprecher. Anschließend richten die Straßenbauverwaltungen der Länder in Absprache mit der Autobahn GmbH ihre Namensvorschläge an das Fernstraßen-Bundesamt. Das entscheidet final.

Aber wie kommt es nun zu Namen wie Lederhose? „Lederhose ist der Name einer Gemeinde im Landkreis Greiz in Thüringen“, erklärt der Sprecher. Nach ihr ist die nahe gelegene Anschlussstelle bezeichnet. Und der Ludergraben? Der Name der Raststätte an der A3 bei Nürnberg leitet sich von einem nahe gelegenen Bach ab. Wobei „Luder“ aus dem Mittelhochdeutschen stammt und so viel bedeutet wie „Lockspeise für Wildtiere“.

An ein schwäbisches Kohlgericht erinnert der Name „Heidenheimer Kohlplatten“ an der A7 bei Heidenheim an der Brenz. Mit Kulinarik hat die Bezeichnung aber nichts zu tun. „,Kohlplatten‘ bezieht sich auf große, runde Bodenplatten im Wald, auf denen Köhler Holz schichteten, um Holzkohle herzustellen“, heißt es auf der Seite der Stadt Heidenheim. Diese Technik sei in der Region früher verbreitet gewesen.

Aber nicht nur die Namen zahlreicher Parkplätze sind kurios, manche Raststätte ist es selbst. So findet sich etwa die nach eigenen Angaben erste Feng-Shui-Raststätte Europas in Baden-Württemberg, genauer in Gruibingen Süd an der A8 zwischen Stuttgart und München. Runde Formen, ein Innenhof mit einem leise plätschernden „Energie-Brunnen“ sowie ein Raum der Stille sollen gestressten Autofahrern eine entspannte Atmosphäre bieten. Das Motto: Der Weg ist das Ziel.

Wer eine Rast für die Seele sucht, kann auch an einer der 44 Autobahnkirchen bundesweit einen Stopp einlegen. Zum Beispiel in St. Christophorus an der A9 zwischen Berlin und München – die dazugehörige Autobahn-Ausfahrt heißt übrigens „Himmelkron“.

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