Boykott: Die Ärzte weigerten sich lange, ihre Musik auf Spotify zu stellen. © Jörg Steinmetz
„Enorm wichtig“: Die deutsche Popsängerin Leony setzt auf Spotify-Streams. © IMAGO
Taylor Swift war 2024 die meistgestreamte Künstlerin. Schätzungen zufolge verdiente sie dadurch mehr als 100 Millionen US-Dollar. © Vit/ hangenFoto
Stockholm – „Spotify? Ohne mich!“ Das war jahrelang die Haltung der Band Die Ärzte. Die Musiker warfen dem Streaming-Anbieter vor, er würde sie nicht angemessen für die Abrufe ihrer Lieder bezahlen. „Wenn ich jemandem etwas schenken möchte, dann mache ich das persönlich“, erklärte Frontmann Farin Urlaub. Auch andere Künstler wie Herbert Grönemeyer, Metallica oder Taylor Swift weigerten sich aus demselben Grund, ihre Musik auf der Plattform anzubieten. Doch sie alle knickten irgendwann ein. Die gescheiterten Boykott-Versuche zeigen: Spotify ist in der Musikbranche unumgänglich.
Die Vorwürfe, der Streaming-Gigant würde Künstler nicht gerecht entlohnen, sind jedoch nie verstummt. Mit den neusten Daten zu Lizenzzahlungen für 2024 will Spotify diesem Eindruck entgegenwirken. Im Rahmen des „Loud & Clear Report 2025“ veröffentlichte das Unternehmen mit Sitz in Stockholm Zahlen zur Vergütung von Musikern. Demnach zahlte Spotify 1,7 Milliarden Euro an EU-Künstler aus – ein Rekordwert. 17 000 Künstler aus EU-Ländern sammelten dabei so viele Streams, dass Spotify für die Nutzung ihrer Songs mehr als 10 000 Euro ausschüttete. Die 5000-Euro-Marke knackten immerhin 27 000.
Auch deutsche Künstler sind bei Spotify gefragt: Deutschsprachige Musik zählte 2024 zu den erfolgreichsten Sprachkategorien. Die damit generierten Lizenzzahlungen stiegen um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders beliebt waren dabei Rap, Deutschrap, Dance, Pop und EDM. Die deutsche Popsängerin Leony betont die Relevanz von Spotify für sie als Musikerin: „Spotify und Streaming spielen eine enorm wichtige Rolle in meiner Karriere.“ Es sei großartig, Videos aus der ganzen Welt zu sehen, „in denen Menschen in Cafés, Bars oder Restaurants sind und plötzlich ein Song von mir läuft“.
Die einstige Boykotteurin Taylor Swift war im vergangenen Jahr die meistgehörte Künstlerin auf Spotify. Mit rund 26 Milliarden Streams verdiente sie Schätzungen von Billboard zufolge mehr als 100 Millionen US-Dollar. Damit stellt sie jedoch eine Ausnahme da. Bei den allermeisten Künstlern kommt kaum Geld an. Anfang 2024 änderte Spotify nämlich sein Bezahlmodell. Seitdem gibt es für Songs, die weniger als 1000 Mal im Jahr gestreamt wurden, gar keine Lizenzzahlungen mehr. Für kleine Künstler macht das einen Durchbruch schwieriger. Kritiker befürchten deshalb, dass die musikalische Diversität auf der Plattform leidet und nur noch Lieder von großen Stars gestreamt werden.
Trotz dieser Probleme werden Streaming-Plattformen für Künstler immer wichtiger. In Deutschland wurden 2024 laut Bundesverband Musikindustrie (BVMI) 84,1 Prozent des Gesamtumsatzes im Musikmarkt in digitalen Geschäftsfeldern erzielt. 2024 war Spotify nach 17 Jahren erstmals profitabel und konnte 3,4 Milliarden Euro als Betriebsgewinn verbuchen. Bei der Frage, wie viel es Künstlern konkret pro Click zahlt, hält sich das Unternehmen bedeckt. Dem Portal „Musikerkanal“ zufolge gibt es pro 1000 Streams nur ungefähr 2,86 Euro.
SOPHIA BELLIVEAU