Schanze lässt die Pfunde purzeln

von Redaktion

Entertainer hat 73 Kilo Gewicht verloren – auch mithilfe von Abnehmspritzen

Deutlich leichter: Michael Schanze im November 2024 im Deutschen Theater. © API (c) Manuel Tilgner

Nur mit Rollator: Michael Schanze und seine Uschi im Mai 2023 in Füssen. © imago stock

München – Michael Schanze will das gar nicht so hoch hängen, dabei ist seine Leistung spektakulär: In den vergangenen zweieinhalb Jahren hat er 73 Kilo abgenommen – von einst 198 auf aktuell 125 Kilo. „Ich mach so weiter und schau einmal, was rauskommt“, sagt der Entertainer („1, 2 oder 3“, „Flitterabend“) und Musiker unserer Zeitung am Telefon. „Ich gehe das gelassen an.“ Der 78-Jährige weiß aus eigener Erfahrung, dass das der einzige Weg ist. „Ich hatte schon 1001 Diäten hinter mir, bevor ich an Silvester 2023 mit meiner Uschi die Entscheidung getroffen habe: Wir nehmen zusammen ab. Ohne Zwang, ohne ,müssen‘, sondern weil wir es wollen.“

Er erinnert sich, als seine Lebensgefährtin ihm eines Tages sagte: „Nur vom Bett zum Klavier zu gehen ist eine zu kurze Distanz. Ich muss dich wieder auf die Beine bringen.“ Dass das Paar den Vorsatz ausgerechnet an Silvester 2023 getroffen hatte – die Neujahrs-Vorsätze gehen ja meistens schief –, habe keine Rolle gespielt. „Wir haben 2024 unser traditionelles Kaviar-Neujahrsfrühstück gemacht und dann mit der Diät begonnen.“ Schanze nimmt seitdem einmal wöchentlich eine Abnehmspritze namens Mounjaro (siehe Kasten). „Früher setzte sie mir Uschi, heute setze ich sie selbst“, sagt Schanze traurig. Seine geliebte Frau ist am 29. Juli 2024 gestorben.

So ein Schicksalsschlag kann alle Diätpläne über den Haufen werfen – doch der Künstler machte allein weiter. „Die Einsicht war ja nach wie vor da.“ Natürlich ging es vorher leichter, zu zweit mit einem Ziel. Es gab eine Zeit, als er über drei Monate bei 170 Kilo stagnierte, erinnert sich der Star. „Am Anfang purzelten die Pfunde flott, doch irgendwann ging es immer langsamer – und dann nichts mehr voran.“ Seine Lebensgefährtin meinte zu ihm, er solle halt aufhören mit der Spritze. „Doch ich sagte ihr: Ich habe damit angefangen, jetzt mache ich auch weiter.“ Jetzt geht es weiter bergab mit den Pfunden – langsam, aber stetig.

Schanze und das Gewicht – für den ehemaligen Top-Sportler eine jahrzehntelange Tortur. 1976, erinnert er sich, hatte er noch zwei Liter Wasser vor dem Wettkampf reingeschüttet, um zuzunehmen – für die WM auf den Bahamas im Windsurfen. Er wurde Siebter. Doch Ende der 70er ging es los mit den Gewichtsproblemen. Er machte seine erste Schrothkur, über die er sich heute noch ärgert – und die führte zu einem ewigen Auf und Ab. „Meine Freunde nannten mich damals Lift.“ Ganz schlimm wurde es 2003 nach einem schweren Ski-Unfall. „Ich brach mir den zwölften Brustwirbel, trug fünf Monate ein Korsett. Von da an ging das Gewicht rapide hoch – von einem Tag auf den anderen. Ich konnte mich nicht mehr so bewegen, der Körper war aber anderes gewohnt.“ Dass ein ehemaliger Top-Sportler mit jedem zusätzlichen Kilo auch psychisch leidet, ist nachvollziehbar.

Und nochmals richtig massiv wurde es ab ungefähr 2020 mit dem Zunehmen – die Zeit von Corona. Vor zwei Jahren dann hatte er fast die 200-Kilo-Marke erreicht. Schanze war bei seinen Auftritten an der Seite seiner Uschi nur noch mit Rollator zu sehen.

Hat Schanze nun ein Gewichts-Ziel? Die in dem ein oder anderen Bericht kolportierten 100 Kilogramm, die Schanze in unserem Gespräch „U-Hu“ nennt (unter hundert), sind ihm gar nicht wichtig. „Ich freue mich, dass ich mitterweile eine andere Klamotten-Abteilung habe. Und dass die Zeiten vorbei sind, wo ich mir die Schuhe zumachte und mir gleichzeitig überlegte, was ich da unten noch erledigen könnte.“ Seinen Humor hat er behalten. Doch eines tut furchtbar weh: „Ich wünschte mir, Uschi könnte erleben, wie ich weiter abnehme.“MATTHIAS BIEBER

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