Reste des tödlichen Beef Wellington. © SCOV/AFP
Erin Patterson kann Berufung einlegen. © James Ross/EPA
Melbourne – In einem der spektakulärsten Mordprozesse der vergangenen Jahrzehnte in Australien ist das Urteil gefallen: Fast zwei Jahre nach dem mysteriösen Giftpilz-Tod von drei Menschen nach einem Mittagessen ist die 50-jährige Angeklagte schuldig gesprochen. Ihr droht eine lebenslange Haftstrafe – allerdings wird Richter Christopher Beale das Strafmaß erst zu einem späteren Zeitpunkt verkünden, wie australische Medien berichteten.
Erin Patterson musste sich seit Ende April wegen dreifachen Mordes und versuchten Mordes an einer weiteren Person vor einem Geschworenengericht in Morwell nahe Melbourne verantworten. Während die Jury sie nach und nach in allen Anklagepunkten schuldig sprach, habe Patterson scheinbar emotionslos die Geschworenen fixiert, sagte eine Augenzeugin dem Sender 9News.
Die Mutter von zwei Kindern war wenige Monate nach den Todesfällen festgenommen und ihr Haus durchsucht worden. Seither saß sie in Haft. Patterson hat seither stets ihre Unschuld beteuert.
Die Geschichte liest sich wie ein Krimi aus der Feder von Agatha Christie: Die Australierin aus dem beschaulichen Örtchen Leongatha, zwei Autostunden südöstlich von Melbourne, lädt Ende Juli 2023 ihre Ex-Schwiegereltern (beide 70 Jahre alt) und ein weiteres Ehepaar im Alter von 66 und 68 Jahren zum Lunch. Auf den Tisch kommt Beef Wellington. Rinderfilet in knusprigem Blätterteig, verfeinert mit Pilzen. Am Ende sind drei Gäste tot, der vierte überlebt nur um Haaresbreite.
Später stellt sich heraus, dass in dem vermeintlichen Gaumenschmaus hochgiftige Grüne Knollenblätterpilze (Amanita phalloides) lauerten, auch „Todeskappe“ genannt. Experten zufolge ist eine durch sie verursachte Vergiftung extrem qualvoll und meist tödlich.
Besonders verwunderte, dass Patterson selbst ihr Essen überlebte. Zwar ließ sie sich wegen starker Magenschmerzen und Durchfalls im Krankenhaus behandeln – aber am Ende habe sie sich gegen ärztlichen Rat auf eigene Gefahr selbst entlassen, sagte die zuständige Ärztin Veronica Foote vor Gericht. Auch Pilz-Experten wurden während des fast zehnwöchigen Verfahrens in den Zeugenstand gerufen.
Das Privatleben der Angeklagten, inklusive ihrer Beziehung zu ihrem Ex-Mann und den Schwiegereltern, wurde dabei genauestens unter die Lupe genommen. Der einzige Überlebende des fatalen Mittagessens, Pastor Ian Wilkinson, sagte in seiner Zeugenaussage, Patterson habe darauf bestanden, ihren Gästen selbst das Essen aufzutragen – und sie habe seltsamerweise als Einzige einen Teller in einer anderen Farbe benutzt.
Wann das Strafmaß verkündet werden soll, war noch unklar. Patterson kann aber noch Berufung gegen das Urteil einlegen.