Die Akte Andrew

von Redaktion

Neue Enthüllungen, neue Fotos: Prinz nahm Epstein mit zur Queen

Prinz Andrew (li.) mit Ghislaine Maxwell (hinten im grünen Kleid) und Jeffrey Epstein 2000 beim Rennen in Ascot. © Shutterstock/Dana Press

London – Ein Zylinder, ein Frack, ein Lächeln – das Foto von Prinz Andrew bei Ascot im Jahr 2000 zeigt ihn in „bester“ Gesellschaft: Ghislaine Maxwell und Jeffrey Epstein – die Queen und Queen Mum ebenfalls vor Ort. Was damals wie ein nobles Stelldichein wirkte, erscheint heute wie ein Symbol für die Nähe zu einem Netzwerk, das den Buckingham Palace in seinen Grundfesten erschüttert hat. Denn der Mann auf dem Bild ist nicht nur der zweitälteste Sohn der verstorbenen Queen Elizabeth II., sondern auch der Protagonist eines neuen Enthüllungsbuchs, das nächste Woche erscheint und schon im Vorfeld für royalen Zündstoff sorgt: „Entitled – The Rise and Fall of the House of York“ von Historiker Andrew Lownie.

Lownie hat vier Jahre lang recherchiert, über 100 Interviews geführt und ein Porträt gezeichnet, das selbst hartgesottene Royalisten ins Grübeln bringt. Der Titel „Entitled“ („Berechtigt“) ist dabei doppeldeutig: Er spielt auf Andrews Adelstitel an – und auf seine angebliche Selbstherrlichkeit. Das Buch beschreibt Andrew als sexbesessen, übergriffig und sozial unbeholfen. Epstein selbst soll ihn laut Lownie als „perverser als ich“ bezeichnet haben und als „perversestes Tier im Schlafzimmer“. Eine ehemalige Masseurin berichtet, Andrew habe Massagen nackt im Schlafzimmer verlangt und dabei anzügliche Kommentare gemacht. Andere Quellen sprechen von über 1000 Sexualpartnerinnen, von denen viele über Ghislaine Maxwell vermittelt worden sein sollen – „wie aus einem Katalog bestellt“. Und das auch in der Zeit, als er noch mit Sarah Ferguson verheiratet war.

Besonders brisant: Laut Lownies Recherchen soll Epstein intime Details über Andrew an ausländische Geheimdienste verkauft haben – darunter Mossad, saudische und libysche Stellen. Der Prinz habe Epstein Zugang zu politischen Führungspersonen und wirtschaftlichen Kreisen verschafft. Ein „nützlicher Idiot“, urteilt der Autor. Virginia Giuffre, eines der bekanntesten Epstein-Opfer, die sich unlängst das Leben nahm, berichtet in „Entitled“ von einer Orgie auf Epsteins Privatinsel mit Andrew und acht weiteren jungen Frauen – alle angeblich unter 18. Auch Epsteins Fahrer bestätigt, regelmäßig junge Mädchen für den Prinzen abgeholt zu haben.

Seit dem katastrophalen BBC-Interview 2019, in dem Andrew versuchte, sich von Epstein zu distanzieren, ist der Prinz aus dem öffentlichen Leben verschwunden. Er lebt zurückgezogen in der Royal Lodge, einem Anwesen mit 30 Zimmern, das ihm König Charles III. am liebsten entziehen würde.

Doch das Bild, das „Entitled“ zeichnet, lässt Zweifel aufkommen, ob ein Rückzug aus der Öffentlichkeit ausreicht. Denn die Enthüllungen werfen nicht nur Fragen zu Andrews Verhalten auf, sondern auch zur Rolle des Königshauses, das offenbar versuchte, die Veröffentlichung des Buchs zu verhindern.

Seit Mai 2020 darf Andrew das Königshaus nicht mehr offiziell vertreten. 2022 gab er alle Schirmherrschaften und Ehrentitel ab. Eine Schule auf St. Helena, die seinen Namen trägt, erwägt derzeit eine Umbenennung – ein weiteres Zeichen für seinen beschädigten Ruf. Anti-Monarchie-Gruppen fordern inzwischen eine parlamentarische Untersuchung zu mutmaßlicher Korruption im Königshaus

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