Älteren Menschen kann das Internet nutzen. © Heusel/epd
Hongkong – E-Mails schreiben, Reisen buchen, Infos suchen: Ältere Menschen können stark von den Chancen des Internets profitieren. Eine Studie aus Hongkong aus dem vergangenen Jahr kam zu dem Schluss, dass das Surfen im Internet bei älteren Menschen zu einem höheren Wohlbefinden beitrage. Dabei stellte sich heraus, dass Internetnutzung bei den Älteren mit einer höheren Lebenszufriedenheit, besseren Gesundheit – zumindest nach Selbsteinschätzung – sowie weniger Depressionssymptomen einhergeht. Die Forschenden wiesen jedoch auch darauf hin, dass lediglich der Zusammenhang nachgewiesen wurde, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung. Es ist also unklar, ob die Internetnutzung verantwortlich für die positiven Effekte ist oder doch andere Faktoren.
Dennoch ist nicht alles am Scrollen und Teilen positiv. Das Forschungsteam aus Hongkong mutmaßt, dass sich das Surfen im Internet durchaus auch negativ auf die psychische Gesundheit älterer Menschen auswirken könne. Schließlich sei nachgewiesen, dass exzessive Internetnutzung eher dem Wohlbefinden schade, weil Aktivitäten wie Bewegung, Schlaf und soziale Kontakte in der realen Welt zu kurz kämen.
Ähnliches befürchtet auch die Cyberpsychologin Catarina Katzer. „Das Problem ist, dass wir momentan noch nicht dabei sind, ein digitales Bewusstsein zu entwickeln: Was tut mir gut und wie viel ist für mich schädlich?“ Katzer betont, dass dieses Problem bei Kindern und Jugendlichen noch stärker ausgeprägt sei als bei Erwachsenen, sie könnten weniger gut Grenzen setzen und die Folgen einschätzen.
Katzer hält aber für alle Altersgruppen fest: „Unser Steinzeitgehirn ist mit der Vielfalt und Schnelligkeit des Internet-Rhythmus überfordert. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir emotional und kognitiv auf falsche Fährten gelockt werden und wir bestimmte Fähigkeiten verlieren oder gar nicht erst erlernen“ – etwa das kritische Denken oder die Fähigkeit, selbst Probleme zu lösen.
Wer das Internet wie nutzt, hat Sozialforscherin Licia Bobzien von der Universität Potsdam mit Kollegen analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass fast alle Erwachsenen im Alter von 18 bis 74 Jahren regelmäßig digitale Plattformen nutzen – die Jüngeren am meisten (mehr als drei Stunden am Tag), Menschen von 45 bis 54 Jahren gut eine Stunde und 65- bis 74-Jährige rund 40 Minuten.
„Wir waren ehrlicherweise überrascht, wie viel Zeit auch Ältere online verbringen“, berichtet Bobzien. Diese nutzten laut Studie in ihrer Social-Media-Zeit eher Messenger-Dienste wie WhatsApp oder Telegram sowie Facebook, während Youtube generationsübergreifend verwendet werde. Jüngere nutzen Social Media häufiger zur Informationsbeschaffung, Ältere nannten hier eher die Unterhaltung. Insgesamt gebe es jedoch bisher wenige Studien darüber, wann genau die Nutzung von Sozialen Medien und in welcher Weise schade, so Bobzien.