Der tägliche Bus-Frust in Rom

von Redaktion

Verspätungen, Pannen, Ausfälle: Verkehrsbetrieb zahlt jetzt Entschädigungen an Nutzer

Nichts geht mehr: Wer mit dem Bus in Rom unterwegs ist, braucht starke Nerven – und viel Zeit. © Gregorio Borgia, dpa

Rom – Es ist eine alltägliche Szene in Rom: Eine Menschentraube steht an der Bushaltestelle und wartet. Und wartet. Immer wieder springt die Anzeigetafel von der letzten Minute Wartezeit zurück auf die ursprünglichen zehn Minuten. Ein Aufatmen geht durch die wartende Menge, als endlich in der Ferne ein Bus zu sehen ist. Doch die Freude war vergeblich: Auf dem Bus steht „fuori servizio“ – außer Betrieb –, und er fährt einfach an der Haltestelle vorbei.

„Das ist eine Schande für eine Hauptstadt“, ärgert sich ein älterer Herr sichtlich aufgewühlt. Die Menschen um ihn herum schließen sich seinem Ärger an. Es kommt zu einem Chor aus verbitterten Kommentaren und Verwünschungen der anderen Wartenden.

Der Bus kommt schließlich, aber er ist hoffnungslos überfüllt. Wie soll es auch anders sein, wenn sich an den vorherigen Haltestellen ähnliche Szenen abgespielt haben. Wer hineinkommt, steht dort dann aneinandergedrängt. Besonders bitter ist das im Sommer, wenn die Klimaanlage mal wieder nicht geht. Dann geht die Rempelei weiter – für einen Platz am gekippten Fenster für ein bisschen Fahrtwind.

Das städtische Verkehrsunternehmen Atac ist sogar über die Stadtgrenzen hinaus für seine rekordträchtige Unpünktlichkeit, Unzuverlässigkeit und seine maroden Fahrzeuge bekannt. Neben Bussen betreibt Atac zudem sechs Straßenbahnlinien und drei U-Bahn-Linien. Verspätungen, Pannen und Ausfälle sind an der Tagesordnung. Die Infrastruktur ist vielerorts marode. Rolltreppen und Aufzüge funktionieren nicht richtig und es fehlt an Sicherheitspersonal.

Für seine Ineffizienz muss Atac nun zahlen. Die Situation war so unhaltbar, dass sich die italienische Wettbewerbsbehörde, auch für Verbraucherrechte zuständig, einschaltete und Anfang des Jahres wegen nicht eingehaltener Qualitätsstandards eine Untersuchung aufnahm.

Atac verpflichtete sich nun, Entschädigungen an seine Jahreskartenabonnenten zu zahlen. Dafür hat die Wettbewerbsbehörde die Untersuchung eingestellt. Insgesamt will das Unternehmen drei Millionen Euro zahlen, bis zu zehn Euro kann ein Abonnent erhalten. Zudem sollen in einer neuen App Nutzer bei Verspätungen von mehr als 15 Minuten Erstattungen von 50 Cent erbeten können. Ein Ticket für Fahrten in Rom kostet 1,50 Euro.

Verbraucherschützer nennen diesen Vorgang einen wichtigen „Präzedenzfall“. Massimiliano Dona vom Verbraucherverband sagte: „Endlich werden die Nutzer entschädigt, wenn ein miserabler öffentlicher Nahverkehr angeboten wird – unzureichend, unangemessen und respektlos gegenüber den Fahrgästen.“

Atac-Chef Paolo Aielli sagte, es sei das erste Mal, dass ein städtisches Verkehrsunternehmen in Italien Entschädigungen für „etwaige Störungen“ anbietet. Das sagt schon etwas über die Lage in Rom aus.

Nutzer von Atac blicken indes eher mit Misstrauen auf die neuen Verpflichtungen. Mit Blick auf die 50-Cent-Erstattungen für jede einzelne Verspätung schreibt ein User in den sozialen Medien: „Endlich Geld, um mir ein Haus zu kaufen, so oft wie die Busse sich verspäten!“

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