Leos erstes Weihnachten

von Redaktion

Der neue Papst knüpft an alte Traditionen im Vatikan an und will Gräben zuschütten

Papst Leo bereitet sich auf das erste Weihnachtsfest im Vatikan vor. © Vatican Media/KNA

Vatikanstadt – Die Weihnachtskrippe kann im Vatikan auch ein politisches Statement sein. Das war vor allem in den 12 Jahren unter Papst Franziskus der Fall. Da konnte es schon mal vorkommen, dass in der offiziellen Vatikan-Krippe Josef, Maria und das Jesuskind in einem Boot unterwegs waren und Josef einen ertrinkenden Flüchtling aus dem Wasser rettete. Das war 2013 der Fall, Franziskus lag das Schicksal der Flüchtlinge stark am Herzen. Im vergangenen Jahr wurde das Jesuskind auf ein Palästinensertuch gebettet, was als solidarische Geste mit dem unterdrückten Palästinenser-Volk und als Provokation gegenüber Israel interpretiert wurde.

Dieses Jahr wird die offizielle Vatikan-Krippe vor der Audienzhalle im Vatikan mit einer „ganz normalen“ heiligen Familie und einer hochschwangeren Jungfrau Maria inszeniert. Exegeten erklären dies mit einer Rückkehr zu katholischen Kernbotschaften unter Papst Leo XIV. Der ließ es sich bei der Einweihung vergangene Woche nicht nehmen, auf die 28 000 Farbbänder hinzuweisen, die die Krippe schmücken. Die Bänder stünden „für ein Leben, das dank Gebeten und der Unterstützung katholischer Organisationen für viele bedürftige Mütter vor einer Abtreibung bewahrt wurde“, erklärte der Papst. Weihnachten als Appell zum Schutz des Lebens, das hat es unter Franziskus so nicht gegeben.

Sein im Mai gewählter Nachfolger Leo XIV. begeht nun sein erstes Weihnachten als Papst. Dass sich Akzente verändert haben, war bereits zu beobachten. Leo will die Gräben zuschütten, die sich während des Pontifikats seines Vorgängers aufgetan haben. Der Ton hat sich insgesamt grundlegend verändert. Papst Leo XIV. hat in seiner mit Spannung erwarteten ersten Weihnachtsansprache an die Kurie die Spitze des Vatikans zur Einigkeit aufgerufen und vor ideologischen Grabenkämpfen gewarnt. Wörtlich mahnte er, nicht „zwischen zwei gegensätzlichen Extremen hin und her zu schwanken: entweder alles zu vereinheitlichen, ohne die Unterschiede zu würdigen, oder im Gegenteil die Unterschiede und Sichtweisen überzubetonen, anstatt die Gemeinschaft zu suchen“. Bei Fragen von Glauben, Liturgie und Moral bestehe die Gefahr, „der Starrheit oder Ideologie zum Opfer zu fallen“.

Zugleich kritisierte Leo Machtstreben und Eigeninteressen im Vatikan und rief zu einem weiten Horizont auf. „Wir sind keine Kleingärtner, die sich um ihren eigenen Garten kümmern“, sondern berufen, „in Christus Sauerteig einer universalen Geschwisterlichkeit“ zu sein.

Der offizielle Kalender sieht für Leo XIV. am 24. Dezember die Teilnahme an der um 22 Uhr beginnenden Christmette im Petersdom vor. Am Weihnachtstag feiert der Papst morgens ab 10 Uhr die Heilige Messe in Sankt Peter und wird anschließend den Segen Urbi et Orbi erteilen. Am zweiten Weihnachtsfeiertag wird Leo XIV. das Angelusgebet auf dem Petersplatz sprechen. Das offizielle Programm sieht dann erst wieder die Teilnahme am Te Deum zum Jahresende am 31. Dezember in Sankt Peter vor. Es ist gut möglich, dass der Papst die Zwischenzeit für einen Kurzaufenthalt in der päpstlichen Residenz Castel Gandolfo nutzen wird.JMM

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