Experte: Spiele verbinden Generationen

von Redaktion

Brettspiele bringen alle an einen Tisch. © Merz/dpa

München – Brettspiele haben nach den Worten des Sozialpädagogen Volker Mehringer etwas Verbindendes. Es handle sich um eine der wenigen Gelegenheiten, zu denen die Generationen, von Oma und Opa bis zu den Enkeln, zusammenfinden, sagte der an der Universität Augsburg tätige Spielexperte der „Süddeutschen Zeitung“. Zudem ließen sich bei dem noch relativ jungen Phänomen offener Spieletreffs neue Freunden finden.

Brettspiele gibt es seit Jahrtausenden

Grundsätzlich begleite das Brettspiel die Menschen seit mindestens drei bis vier Jahrtausenden, so Mehringer. Es spreche auf ganz eigene Weise den Menschen emotional an. „Es verschafft uns einen angenehmen Spannungslevel – es ist nicht langweilig, aber auch nicht so anstrengend, dass es stressig oder gar gefährlich wird.“ Das Spiel solle herausfordern und neugierig machen. „Ich möchte gewinnen und wissen, ob ich es schaffe. Aber es geht nicht um die Existenz“, erläuterte der Fachmann.

In den vergangenen Jahren sind laut dem Experten auch sogenannte kooperative Spiele beliebt geworden und wirtschaftlich erfolgreich. „Sie eignen sich auch für Kinder, denen es noch an Frustrationstoleranz für eine Niederlage gegen Mitspieler mangelt.“ Gerade in schwierigen Zeiten könne ein solches Spiel ein Ort des Rückzugs sein, um aufzutanken.

„Tolle Lernspiele“ kommen nicht gut an

Was bei Kindern gar nicht gut ankomme, sei indes, wenn Erwachsene ein „tolles Lernspiel“ anpreisen wollten, warnte Mehringer. Spiele sollten nicht zu sehr verzweckt werden. Vor allem müsse ein Spiel Spaß machen, sonst werde es nicht gespielt. „Aber wenn man beim Spielerischen bleibt, können Kinder ungeheuer profitieren, bis hin zur Persönlichkeitsentwicklung.“ So spielten Kinder in ihren ersten sechs Lebensjahren etwa 10 000 bis 15 000 Stunden. Das sei ihre Haupttätigkeit neben Schlafen und Essen. Das habe motorische, soziale, emotional und kognitive Effekte. Da stecke viel Bildung und Erziehung drin.

Eltern könnten ihr Kind beim Spielen besser kennenlernen, so Mehringer weiter: „Was interessiert es, wie tickt es? Wie geht es mit Risiko um, ist es kompetitiv oder kooperativ?“ Schon der griechische Philosoph Platon solle gesagt haben, beim Spiel könne man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr. Wer als Kind keine Brettspiele gespielt habe, könne als Erwachsener durchaus noch einsteigen, so der Experte: „Aber es ist ein bisschen wie beim Skifahren, das man als Erwachsener nicht mehr so leicht lernt wie als Kind.“

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