Berlin im Blackout-Schock

von Redaktion

Linksextremer Anschlag auf Stromtrasse stürzt Südwesten der Hauptstadt ins Dunkel

Berlins Bürgermeister Kai Wegner (li.) besuchte eine Notunterkunft. © Gollnow/dpa

Tatort Teltowkanal: Hier setzten Linksradikale eine Stromtrasse in Brand. © Ukas/dpa

Am Mexikoplatz versammelten sich Passanten an einem Hilfepunkt der Feuerwehr. © Gollnow/dpa

Berlin – Es sind Szenen wie aus einem Hollywoodthriller. Der Berliner Südwesten ist von der Stromversorgung abgeschnitten. Ursache ist ein Brandanschlag auf eine Stromtrasse am Teltowkanal, durch den am Samstagmorgen wichtige Leitungen beschädigt wurden. Die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

Es seien Brandsätze direkt unter den Kabeln platziert worden, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). „Die Kraft, mit der eine kontinuierliche Hitzeentwicklung und ein kontinuierlicher Brand erfolgt sind, war größer als die Kraft, die eine Kugelbombe hätte auslösen können“, so Giffey. „Eine Kugelbombe hätte unseren Leitungen, so wie sie gesichert sind, nichts anhaben können.“

Dem für politische Straftaten zuständigen Staatsschutz des Landeskriminalamts lag ein Bekennerschreiben der linksradikalen Vulkangruppe vor. Die Behörde hält das Schreiben für echt.

„Es ist inakzeptabel, dass erneut offenkundig Linksextreme unser Stromnetz angreifen und damit Menschenleben gefährden“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU). Den Anschlag bezeichnet die Gruppe als „gemeinwohlorientierte Aktion“ gegen die fossile Energiewirtschaft, die die Erde zerstöre. „Bei den weniger wohlhabenden Menschen in dem Südwesten Berlins entschuldigen wir uns. Bei den vielen Besitzern von Villen in diesen Stadtteilen hält sich unser Mitleid in Grenzen“, zitiert der „Tagesspiegel“ aus dem Bekennerschreiben.

Betroffen waren die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird. Erst am Donnerstagnachmittag könnten wohl alle Stromkunden wieder versorgt werden, hieß es. Rund 10 000 vom Stromausfall betroffene Haushalte werden seit dem frühen Sonntagmorgen wieder mit Elektrizität versorgt. Damit sind noch rund 35 000 Haushalte und rund 1900 Gewerbekunden nicht wieder am Netz.

Der Bezirksstadtrat Tim Richter (CDU) geht davon aus, dass der Bedarf nach Unterkunftsplätzen in den kommenden Tagen steigen werde. Noch seien die Wohnungen relativ warm, aber in den kommenden Tagen würden in den Nächten Minusgrade erwartet. Dann kühlten die Wohnungen und Häuser aus, weil die Heizungen nicht mehr funktionierten.

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