Hilfesuchende in einer Notunterkunft. © HANSCHKE/epa
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU). © Pedersen/dpa
Eine dunkle Straße in Zehlendorf. © Schu/dpa
Berlin – Nach dem mutmaßlich linksextremistisch motivierten Brandanschlag auf die Stromversorgung in Berlin suchen die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern fieberhaft nach den Tätern. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU), der wegen des schleppenden Krisen-Managements zunehmend in die Kritik gerät, sagte in der „Abendschau“ des RBB, das sei „nicht nur eine Brandstiftung oder Sabotage. Das ist schon Terrorismus.“ Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen, das teilte die Behörde am Abend mit.
Ein erstes Bekenner-Schreiben der anonymen linksextremen „Vulkangruppe“ gilt als glaubwürdig. In Sozialen Medien wird aber spekuliert, dass bestimmte Formulierungen darauf hinweisen könnten, dass der Text aus dem Russischen ins Deutsche übersetzt sein könnte – und womöglich russische Geheimdienste dahinterstecken. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) warnte vor falschen Spekulationen.
Die „Vulkangruppen“ sollen seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf wichtige Punkte der öffentlichen Infrastruktur begangen haben, wie das Bundesamt für Verfassungsschutz schreibt. Mehrfach sei es dadurch „zum Ausfall von Strom und Telekommunikation sowie zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Nahverkehr“ gekommen. Obwohl die Gruppen schon lange aktiv sind und große Schäden anrichten, wissen die Verfassungsschutzbehörden und die Polizei wenig über sie. Der Berliner Verfassungsschutz ordnet sie dem gewaltorientierten, anarchistischen Spektrum der linksextremistischen Szene zu.
Die Texte der Bekennerschreiben würden sich in Aufbau, Stil und inhaltlichen Aussagen so ähneln, dass man von einem (teil-)identischen Autorenkreis ausgehe. Auch ein Strategiepapier aus dem Jahr 2015 deute auf eine feste Struktur hin. Zugleich gesteht der Verfassungsschutz ein: „Personenpotenzial in Berlin: nicht bekannt.“
In Bekennerschreiben würden meist wechselnde Namen, die sich auf isländische Vulkane wie Grimsvötn, Katla oder Ok beziehen, verwendet. Hintergrund sei vermutlich der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull 2010, der den Flugverkehr in Europa wochenlang störte.
Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte 2024 über eine Tätergruppe: „Sie sitzt offensichtlich in Berlin und agiert von dort aus bundesweit, möglicherweise international.“ Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) hat nach dem Anschlag auf die Berliner Stromleitungen vor einem Erstarken des Linksterrorismus in Deutschland gewarnt. „Nach unserer Einschätzung handelt es sich um einen mit profunden Kenntnissen und dezidiert geplanten Anschlag“, sagte Dobrindt der „Bild“ . „Der Linksterrorismus ist mit steigender Intensität in Deutschland zurück.“
Nach dem Stromausfall sind weiterhin rund 25 500 Haushalte und etwa 1200 Unternehmen ohne Strom. Bis alle Betroffenen wieder am Netz sind, wird es etwa bis Donnerstag dauern.