Wie leben sie mit dieser Schuld?

von Redaktion

Nach Brand-Katastrophe: Barbetreiber aus Crans-Montana in U-Haft genommen

Eine Überlebende mit einbandagierten Händen.

Ein Partygast versucht, das Feuer zu löschen © X

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. © Coffrini/AFP

Die Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti erscheinen zur Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft. Am Ende musste er in Untersuchungshaft. © Coffrini/AFP, Gilleron/epa

Crans-Montana – Es ist ihr erster öffentlicher Auftritt nach der Brand-Katastrophe von Crans-Montana in der Silvesternacht. Am Freitagmorgen, dem Tag der öffentlichen Gedenkfeier, ist das Betreiberpaar der Inferno-Bar zum ersten Mal als Verdächtige von der Staatsanwaltschaft vernommen worden. Jacques und Jessica Moretti, beide sichtlich angespannt, wurden zu der Vernehmung von drei Anwälten begleitet und benötigten eine Polizeieskorte. Jessica Moretti trug eine Sonnenbrille, ansonsten hielten sich die beiden nicht bedeckt. Allerdings sprachen sie auf dem Weg ins Gebäude der Staatsanwaltschaft kein Wort, obwohl die rund 50 anwesenden Journalisten ihnen Fragen zuriefen. Den Morettis werden fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung und fahrlässige Körperverletzung vorgeworfen. Der Inhalt ihrer Vernehmung wurde am Freitag nicht öffentlich gemacht, doch am Ende der Befragung kam Jacques Moretti in Untersuchungshaft.

Seine Frau hat sich im Anschluss unter Schluchzen entschuldigt. „Das ist eine unvorstellbare Tragödie. Niemals, wirklich niemals im Leben hätten wir uns das vorstellen können“, sagte Jessica Moretti. „Das ist in unserer Einrichtung passiert, und ich möchte mich entschuldigen.“ Moretti sagte, ihre Gedanken seien die ganze Zeit über bei den Opfern und denjenigen, die mit den Folgen der Katastrophe zu kämpfen hätten. Romain Jordan, ein Anwalt der Hinterbliebenen, sagte, die Opfer und Hinterbliebenen wollten ihre Interessen berücksichtigt sehen, indem „alle Verantwortlichkeiten von A bis Z festgestellt“ werden.

Bei der Brand-Katastrophe in der Silvesternacht waren 40 Menschen ums Leben gekommen und 116 weitere verletzt worden, viele von ihnen sehr schwer. Die Hälfte der Todesopfer war minderjährig; das jüngste war erst 14 Jahre alt. Ersten Ermittlungserkenntnissen zufolge wurde der Brand im Keller der Bar offenbar durch Feuerwerksfontänen ausgelöst, die an Sektflaschen angebracht waren und zu nahe an die Decke gehalten wurden.

Nach dem tödlichen Silvester-Brand haben die Menschen in der Schweiz am Freitag der 40 Todesopfer und der Verletzten gedacht. Begleitet vom Glockengeläut der Kirchen hielt das Land um 14 Uhr eine Schweigeminute ab. Kurz zuvor hatte in Martigny westlich von Crans-Montana eine Trauerfeier begonnen, zu der neben Bundespräsident Guy Parmelin auch Gäste aus dem Ausland wie der französische Präsident Emmanuel Macron anreisten.

Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, hat bei der Trauerfeier um Entschuldigung gebeten. Neben der laufenden Aufklärung der rechtlichen Verantwortung für das Inferno gelte es auch, moralische Verantwortung zu übernehmen, sagte er bei der Feier in Martigny. Es sei das Mindeste, „im Namen der gesamten Gemeinschaft um Entschuldigung zu bitten“, sagte Reynard vor Angehörigen der Opfer. „Undenkbar“ – mit diesem Wort beschrieb der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin in seiner Rede das Inferno. „Undenkbar, weil ein Land, das sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt“, sagte der Politiker.

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