Howard Carpendale ist kein Schlagersänger. © dpa
Musiker Niedecken wirbt für den Zivildienst. © Berg/dpa
Wolfgang Niedecken (74) fände es gut, wenn im Zuge der Wiedereinführung der Wehrpflicht auch der Zivildienst zurückkehren würde. „Mir hat das gutgetan“, sagte der BAP-Sänger der Deutschen Presse-Agentur in Köln. „Als ich nach dem Kunststudium Zivildienst machen musste, habe ich erst gedacht: „Oh, nein, jetzt habe ich doch grad‘ einen Fuß in der Türe mit ersten Ausstellungen und so weiter – und nun das!“ Das hat mir gar nicht in den Kram gepasst. Aber als ich einmal dabei war, habe ich schnell gemerkt, dass das gut für mich war.“ Er habe damals Essen auf Rädern zu alten Menschen gebracht. „Die waren teilweise geradezu in ihrer Wohnung gefangen, weil sie ohne Aufzug im vierten oder fünften Stock wohnten.“ Die soziale Arbeit mit den alten Menschen habe seinen Horizont erweitert. „So bin ich eben nicht im Elfenbeinturm gelandet. Das hat mir noch einmal einen komplett anderen Blickwinkel ermöglicht.“ Es sei allerdings auch richtig, dass die heutige junge Generation schon große Lasten zu tragen habe, etwa durch die Überalterung der Gesellschaft und die dadurch entstehende Rentenproblematik sowie durch die Folgen des Klimawandels. „Eine Rentenreform muss in jedem Fall her“, sagte Niedecken. „Das sind wir den Jüngeren schuldig.“
Ist Howard Carpendale ein Schlagersänger? Wer das von ihm wissen will, dem schlägt heftiger Protest entgegen. „Die Frage mit dem Schlagersänger verfolgt mich seit 60 Jahren“, entrüstet sich der Musiker, der mit Songs wie „Hello Again“ oder „Deine Spuren im Sand“ berühmt wurde. Und er erklärt, warum seine Musik anders ist. Bei Schlagern gehe es oft darum, Party zu machen. „Das ist etwas, was ich für mich ablehne. Ich möchte Emotionen wecken“, sagte der in Starnberg lebende Sänger der Deutschen Presse-Agentur anlässlich seines 80. Geburtstages am kommenden Mittwoch (14. Januar). Dass er dennoch oft als Schlagersänger gehandelt wird, hat seine Gründe in der Vergangenheit. Seine frühere Plattenfirma habe ihn als solchen aufgebaut. Er schäme sich auch nicht für seine früheren Lieder. Aber manche, die Schlager hassten, hielten Schlagersänger für dumm. Dieses Vorurteil wolle er nicht auf sich sitzen lassen.