Chesley Sullenberger war der „Held vom Hudson“. © dpa
San Francisco/New York – Ganz sachlich beschreibt Chesley Sullenberger den Start von US-Airways-Flug 1549. Wie fast jeder Flug in seinen 42 Pilotenjahren sei auch dieser Start völlig normal nach Plan verlaufen – „in den ersten 100 Sekunden“. Doch dann habe er die Vögel gesehen, drei Sekunden vor der Kollision. Die Motoren hätten ein schreckliches Geräusch gemacht – „es war ein plötzlicher, kompletter Verlust der Antriebskraft“. So etwas habe er noch nie zuvor erlebt, schildert der Pilot den Beginn des Flugs, der in einer spektakulären Notwasserung auf dem New Yorker Hudson River endete.
Was sich am 15. Januar 2009 abspielte, zeichnete der „Held vom Hudson“ zehn Jahre nach dem Vorfall in dutzenden Tweets nach. Diese Erinnerungen sind inzwischen auf Sullenbergers Instagram-Account zu finden, wo der weltweit bekannte Pilot mehr als 170 000 Follower hat. Der US-Amerikaner mit dem Spitznamen „Sully“ feiert am 23. Januar seinen 75. Geburtstag.
Der „Held vom Hudson“ ist dabei bescheiden geblieben. „Gegen das ‚H‘-Wort habe ich mich immer gewehrt“, sagte Sullenberger kurz vor seinem 70. Geburtstag. Fliegerei sei ein „Teamsport“ und wie so oft im Leben habe Zusammenarbeit damals zum Erfolg geführt und Leben gerettet. „Wenn wir uns auf Mitmenschlichkeit besinnen und zusammenarbeiten, gibt es kaum etwas, was wir nicht schaffen können“, betonte er damals.
Für viele ist er dennoch ein Held. 155 Menschen waren an Bord des US-Airways-Flugs 1549. Nach einer Stunde Flug sollte der Airbus in Charlotte im Bundesstaat North Carolina landen. Doch kurz nach dem Start auf dem New Yorker LaGuardia-Flughafen fielen durch die Kollision mit einem Gänseschwarm beide Triebwerke aus. Die Motoren brannten, die Schubkraft war weg, an eine Rückkehr zur Startbahn oder den Anflug eines anderen Flughafens war nicht zu denken. Copilot Jeff Skiles gab das Steuer an Sullenberger ab.
„Ich wusste sofort, dass dies ein einzigartiger Notstand ist, die größte Herausforderung, der schlimmste Tag meines Lebens“, erinnert sich Sullenberger. Schnell habe er gewusst, dass dieser Flug wohl nicht unversehrt auf einer Landebahn enden würde. Doch sein Ziel sei klar gewesen, die Maschine intakt zu Boden zu bringen und damit alle Menschen an Bord zu retten.
„Wir gehen auf den Hudson runter“, funkte der damals 57-Jährige mit ruhiger Stimme an den Tower. Die Landung im eisigen Hudson River vor der Skyline von New York war eine fliegerische Meisterleistung. Der Airbus überschlug sich nicht, brach nicht auseinander, als er mit hohem Tempo auf das Wasser knallte. „Das war weniger schlimm als erwartet“, hätten er und der Copilot fast gleichzeitig gesagt, schreibt Sullenberger in den Tweets. Eine Schnittwunde am Bein einer Stewardess war die schlimmste Verletzung.