„Es gab Schreie, weinende Kinder, Blut“

von Redaktion

Mindestens 40 Tote und 170 Verletzte bei Zugunglück in Spanien – auch Deutsche darunter

In Eschede starben 1998 101 Menschen. © Wagner/dpa

Das Unglück ereignete sich nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba.

Viele Verletzte waren Stunden in den Wracks der Züge gefangen. © Salas/EPA

Der eine Zug war von dem anderen quasi aus den Gleisen geschossen worden. © Handout/AFP

Eine trauernde Angehörige am Bahnhof von Huelva. © DIAZ/dpa

Die beiden Züge kollidierten bei 300 Kilometern pro Stunde. © Guardia Civil/EPA

Adamuz/Madrid – Bei einem der schwersten Eisenbahnunglücke in der Geschichte Spaniens sind in Andalusien im Süden des Landes mindestens 40 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 170 Reisende seien verletzt worden, davon 24 schwer und fünf sehr schwer, teilten die Behörden mit. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen werde. Der regionale Regierungschef Andalusiens, Juanma Moreno, schloss nicht aus, dass in den „Trümmerhaufen aus Metall“ weitere Leichen liegen könnten. „Leider müssen wir davon ausgehen, dass sich auch deutsche Staatsangehörige unter den Betroffenen befinden. Über die Anzahl gibt es derzeit noch keine verlässlichen Angaben“, hieß es aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.

Die Tragödie hatte sich am Sonntagabend ereignet. Gegen 19.40 Uhr waren die beiden letzten Waggons eines Iryo-Hochgeschwindigkeitszuges der italienischen Gesellschaft Trenitalia nahe der Gemeinde Adamuz in der Provinz Córdoba bei einem Tempo von etwas mehr als 200 Kilometern pro Stunde entgleist und in das benachbarte Gleis geraten, wie die spanische Bahngesellschaft Renfe mitteilte. Der tragische Zufall wollte es, dass just zu dem Zeitpunkt ein entgegenkommender Hochgeschwindigkeitszug von Renfe mit ähnlicher Geschwindigkeit vorbeifuhr, frontal mit den entgleisten Waggons kollidierte und aus den Schienen geworfen wurde.

„Der Aufprall war so heftig, dass die beiden vorderen Wagen des Renfe-Zuges infolgedessen aus den Gleisen geschleudert wurden“, sagte Verkehrsminister Óscar Puente. Diese Waggons stürzten eine vier Meter hohe Böschung hinunter und wurden weitgehend zerstört.

Der Iryo-Zug, das gleiche Modell, der ab Dezember von München nach Rom fahren soll, war mit mehr als 300 Menschen an Bord von Málaga nach Madrid unterwegs, der in Madrid gestartete Renfe-Zug fuhr mit rund 200 Passagieren nach Huelva. Der Verkehr auf der wichtigen Strecke zwischen Madrid und Andalusien werde für längere Zeit unterbrochen bleiben, hieß es. Viele Menschen, die in verschiedenen Städten von Zugausfällen aufgrund des Unfalls betroffen waren, verbrachten die Nacht in Bahnhöfen.

Eine junge Frau kämpfte im Interview des TV-Senders RTVE mit den Tränen, als sie den Albtraum beschrieb. „Es gab eine Vollbremsung, es wurde stockdunkel. Ich fiel kopfüber aus dem Sitz. Menschen und Gepäck flogen durch die Luft, es gab Schreie, weinende Kinder, Blut. Ich fühle mich, als wäre ich neu geboren.“ Ein anderer Passagier, der Journalist Salvador Jiménez, sagte: „Es war wie ein Erdbeben.“

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