Vor 50 Jahren flog die erste Concorde. © Matt Campbell/dpa
Paris/London – Die Passagiere äußern sich begeistert, und für die Luftfahrt beginnt ein neues Kapitel, als Air France und British Airways vor 50 Jahren in Paris und London zeitgleich ein Überschallflugzeug vom Typ Concorde auf die erste kommerzielle Reise schicken. Auf der ganzen Welt verfolgen Menschen am 21. Januar 1976 im Fernsehen die ersten beiden Flüge von Paris über Dakar nach Rio sowie von London nach Bahrain.
Die eleganten Jets mit der spitzen Nase erreichen dabei eine Geschwindigkeit von rund 2200 Kilometern pro Stunde. Jeweils 100 Passagiere, die sich ihre Plätze teils schon Jahre zuvor reserviert haben, sind an Bord der Maschinen.
Die Fluggäste von Air France seien sich bei ihrer Rückkehr in Paris einig gewesen, dass sie eine unvergessliche Reise erlebt hätten, berichtete damals die Zeitung „La Croix“. Während die Passagiere des ersten kommerziellen Concorde-Flugs ein Souvenirgeschenk erhalten, begibt sich die Besatzung zum Élysée-Palast, wo Präsident Valéry Giscard d’Estaing sie in Begleitung des Direktors für Flugtests der Concorde zum Frühstück einlädt.
Der Empfang zeigt: Bei der Concorde ging es nicht bloß um die Entwicklung eines Flugzeugs, sondern auch um Prestigedenken. Die Concorde galt Briten und Franzosen als Symbol des nationalen Stolzes.
Die Menükarte bei den Concorde-Flügen las sich wie die eines Sterne-Restaurants: Kaviar, Hummer, Chateaubriand, Rührei mit Trüffeln oder marmorierte Gänseleber mit Trüffeln und Bordeaux-Weingelee etwa, dazu Champagner und ausgewählte Weine. Ein Luxus, für den die Passagiere tief in die Tasche greifen mussten: Im Jahr 2001 kostete das billigste reguläre Rückflug-Ticket für die Strecke London-New York 10 900 Euro, ab Paris wurden 8100 Euro verlangt.
Sehr teuer und sehr laut war das mit Milliardenaufwand entwickelte Überschallflugzeug aber auch im Betrieb, was erklärt, dass am Ende nur 20 Maschinen für Air France und British Airways gebaut wurden. Die sahen sich mangels Nachfrage schnell gezwungen, Ziele wie Rio, Mexiko oder Singapur wieder vom Flugplan der Concorde zu nehmen. Bald blieben als einzige reguläre Flugrouten die Strecken von London und Paris nach New York.
Zum Ruhm der Concorde trug auch bei, dass sie lange das einzige Düsenverkehrsflugzeug der Luftfahrtgeschichte ohne verhängnisvolle Unfälle blieb. Dann aber kommt es am 25. Juli 2000 zu einem dramatischen Absturz bei Paris. Eine gecharterte Concorde, die knapp 100 Deutsche zum Ausgangspunkt einer Kreuzfahrt nach New York bringen soll, zerschellt nur knapp zwei Minuten nach dem Start in einem Flammenmeer. Insgesamt gibt es 113 Tote. Wie eine Schockwelle verbreitet sich die Nachricht vom Absturz in der Welt und vor allem in Deutschland.
Das Unglück beschleunigte das Ende der prestigeträchtigen Concorde, die mit zunehmendem Alter immer wartungsintensiver wurde.