Cerne jagt die Schließfach-Bande

von Redaktion

„Aktenzeichen XY… ungelöst“: Viele Hinweise zu Sparkassen-Raub in Gelsenkirchen

In „Aktenzeichen XY“ zeigte Rudi Cerne einen Bohrer, den die Täter verwendeten.

Durch dieses Loch gelangte die Bande in den Tresorraum. © Polizei/dpa

Mainz/Gelsenkirchen – Zum spektakulären Einbruch in den Tresorraum einer Sparkasse in Gelsenkirchen sind nach der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ zahlreiche Hinweise eingegangen. „Es gab während und nach der Sendung Hinweise in einem bisher mittleren zweistelligen Bereich“, sagte eine Polizeisprecherin. Inwieweit diese Angaben die Ermittlungen voranbringen, könne bisher nicht gesagt werden.

Moderator Rudi Cerne hatte den Fall am Mittwochabend kurz vorgestellt und die Tat von Ende Dezember als einen „Einbruch von historischem Ausmaß“ bezeichnet. Unter anderem waren Fotos von auffälligen Details aus den Überwachungskameras eingespielt worden. Die Bilder zeigen drei maskierte mutmaßliche Täter und zwei Fluchtfahrzeuge mit gestohlenen Kennzeichen.

„Wir gehen jedem einzelnen Hinweis nach und nehmen alle sehr ernst“, schilderte die Polizeisprecherin. Ob ein entscheidender Hinweis dabei war, der womöglich eine heiße Spur bedeute, könne sie aber noch nicht sagen.

Die Täter hatten Ende Dezember rund 3100 Schließfächer aufgebrochen und waren mit dem Inhalt geflüchtet. Der Schaden wird auf einen hohen Millionenbetrag geschätzt. Die Polizei hat in dieser Woche damit begonnen, die Schließfachkunden zu befragen. Die Gespräche verliefen meist sachlich, für einige der Betroffenen aber auch sehr emotional. Eine zweistellige Zahl der Kunden nehme polizeilichen Opferschutz in Anspruch. „Wir haben etliche verzweifelte Leute, die nicht wissen, wie es weitergeht.“

Deprimiert, „wie betäubt nach einer Spritze“, fühlt sich ein Opfer des Gelsenkirchener Einbruchs, wie er im Gespräch mit der dpa sagt. Faqir Malyar, 67 Teppichhändler aus Gelsenkirchen, hat bei dem Raub seine gesamten Ersparnisse verloren. Rund 85 000 Euro aus einer Erbschaft und einer Lebensversicherung, dazu Schmuck über 20 000 Euro – Geschenke von der Hochzeit. „Ich konnte im ersten Moment nicht atmen“, schildert der 67-Jährige „Bei der Bank ist alles sicher, dachte ich“, sagt er.

Nun ist alles weg, und die Sparkasse verweist darauf, dass sie nur bis maximal 10 300 Euro für Schließfachschäden hafte. „Das hat mir in all den Jahren niemand gesagt“, kritisiert Malyar. Er will sein ganzes Geld zurück und hat einen Anwalt eingeschaltet.

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