Kann einsam machen: das Homeoffice im Winter. © Anspach/dpa
Berlin – Nicht rausmüssen bei Kälte, Eis und Schnee, keine Viren im Großraumbüro abbekommen – andererseits fehlen gerade in der dunklen Jahreszeit soziale Kontakte und Tageslicht: Seit der Pandemie hat es sich in vielen Berufen etabliert, zumindest einen Teil seiner Arbeitszeit in den heimischen vier Wänden, also im Homeoffice, abzuleisten. In der kalten und düsteren Jahreszeit zeigen sich ein paar spezielle Vor- und Nachteile.
Gerade in den vergangenen Wochen zeigte sich: Manchmal ist es einfach ungefährlicher, am Morgen nicht die Wohnung verlassen zu müssen. Das Auto stehen lassen, nicht auf glatten Gehwegen zur Haltestelle von Bus oder Bahn eilen – hier ist das Homeoffice klar im Vorteil. Es ist zweifellos angenehmer, vom Frühstückstisch aus ohne Umwege direkt an den heimischen Schreibtisch wechseln zu können, während draußen der Wintersturm tobt oder Eisregen fällt.
Die Kollegin am Schreibtisch gegenüber hustet und schnieft? Der Kollege in der Teeküche erzählt von den Kindern, die daheim einen Magen-Darm-Infekt auskurieren? Der Empfang ist unbesetzt, weil die Grippe unter der Kollegenschaft grassiert? Eine Wohltat, im Homeoffice zu sitzen, wo höchstens die eigene Familie Viren und Bakterien einschleppt. Doch die Sache ist komplexer: „Korrekt ist, dass durch Kontaktreduzierung das Ansteckungsrisiko gesenkt wird“, sagt die Medizinerin Vera Stich-Kreitner, Präsidiumsmitglied im Verband Deutscher Betriebs- und Werksärzte.
Es sei aber unwahrscheinlich, eine Grippewelle durch Homeoffice ausbremsen zu können, denn es gebe ja viele weitere Ansteckungsquellen. Experte Nils Backhaus von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin sagt: Untersuchungen aus der Pandemie zeigten sehr deutlich, dass die Zirkulation von Viren gebremst werde, wenn Menschen im Homeoffice arbeiten. „Deshalb hat das Homeoffice schon Vorteile in der Erkältungszeit, wenn man nicht mit vielen Menschen bei trockener Heizungsluft in einem Raum verbringt.“ Infektwellen ließen sich abschwächen – ein Allheilmittel sei das Homeoffice aber nicht.
Der kleine Ratsch beim Kaffeeholen, die spontane Verabredung zur gemeinsamen Mittagspause: Die soziale Interaktion fehlt, wenn man tagaus, tagein nur allein am heimischen Schreibtisch sitzt. In der dunklen Jahreszeit, wenn man auch in der Freizeit weniger draußen unterwegs ist, macht sich das Fehlen sozialer Kontakte im Homeoffice womöglich noch schmerzhafter bemerkbar. „Die Reduktion sozialer Kontakte ist auf jeden Fall ein ernstzunehmendes Thema“, sagt Stich-Kreitner. Als Beispiel nennt die Expertin auch die Entfremdung vom Team mit Risiken für die psychische Gesundheit.