Seine Söhne sahen Serkan sterben

von Redaktion

Entsetzen nach Bluttat: Täglich acht Attacken auf Zugbegleiter – Ruf nach härteren Strafen

Zur Gedenkminute kam Verkehrsminister Patrick Schnieder (3.v.r.) zum Berliner Hauptbahnhof. © Gollnow/dpa

Kerzen am Bahnhof Landstuhl: Kurz nach dem Bahnhof war der Zugbegleiter im Zug angegriffen worden. © dpa

Zugbegleiter Serkan C. war ein alleinerziehender Vater. Ein Schwarzfahrer erschlug ihn. © Facebook

Landstuhl/Berlin – Entsetzen herrscht in ganz Deutschland nach der tödlichen Attacke auf den Zugbegleiter Serkan C., der in einem Regionalexpress bei Landstuhl nahe Kaiserslautern bei einer Ticketkontrolle tödlich verletzt worden ist. Der 36-Jährige, der von einem Schwarzfahrer unvermittelt mit Fäusten traktiert worden war, konnte zwar noch wiederbelebt werden. Seine 11 und 13 Jahre alten Söhne aber beteten vergeblich: Ihr Vater starb im Universitätsklinikum in Homburg (Saar). Als der Vater des Schaffners vom Angriff auf seinen Sohn hörte, erlitt er einen leichten Herzinfarkt. „Es war das Schlimmste. Die Jungs mussten ihren Vater sterben sehen“, sagte der Großvater der „Bild“. Der aus Ludwigshafen stammende Schaffner, der bei seinen Kollegen beliebt war, wird als Familienmensch beschrieben.

Bei der Bahn, bei Gewerkschaften und in der Politik löste die Gewalttat Trauer und Entsetzen aus. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte in Berlin: „Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners.“ Die steigende Gewalt gegenüber Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und anderer Dienstleister brauche entschiedene Konsequenzen, sagte er. Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn müsse „deutlich verschärft“ werden. Die Mindeststrafen für Angriffe müssten deutlich erhöht werden.

Bahn-Chefin Evelyn Palla sprach von einem „schwarzen Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land“. Sie beklagte: „Die Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden nehmen leider seit Jahren zu, genauso wie auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten. Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt.“ Taten wie diese müssten „uns alle wachrütteln“.

Wie die Deutsche Bahn auf Nachfrage berichtete, gab es 2025 über 3000 Angriffe auf das Personal, „also etwa acht pro Tag“. Die Tendenz sei gegenüber 2024 gleichbleibend auf hohem Niveau. Die Hälfte der Attacken betreffe das Zugpersonal im Regionalverkehr, erklärte Bahn-Sprecher Marek Polster. Auf Sicherheitskräfte entfalle ein Drittel. Aber auch Reinigungskräfte und Service-Mitarbeiter am Bahnhof würden angegriffen. Die Bahn rüste immer mehr Mitarbeiter mit Bodycams aus. „Die Erfahrungen mit diesen Körperkameras sind gut. Sie können Konflikte deeskalieren, wenn ein Angreifer sich auf dem Bildschirm sieht“.

Martin Burkert, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), fordert einen besseren Schutz für Zugbegleiter. Sie sollten in Regionalzügen immer zu zweit unterwegs sein und nicht allein. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) drängt auf eine baldige Sonderkonferenz der Verkehrsministerien von Bund und Ländern unter Beteiligung Dobrindts. „Wir brauchen eine stärkere Besetzung der Bundespolizei an unseren Bahnhöfen“, sagte Schweitzer im Sender Phoenix.

Von härteren Strafen hält der Kriminologe Tobias Singelnstein von der Frankfurter Goethe-Universität nichts. „Das bringt nichts“, sagte er. Das Entsetzen der Gesellschaft über solche Taten sei wichtiger als härtere Strafen. Gestern kam es bei Lüdenscheid erneut zu einer Schwarzfahrer-Attacke. Bei einer Kontrolle spuckte der Begleiter des Kontrollierten dem Schaffner ins Gesicht. Der Schaffner kam den Lokführer zu Hilfe. Anschließend kam es zu einer Rangelei mit Faustschlägen.

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