Marburg – Mit einem Trick aus der Natur wollen Krebsforscher aus Marburg das Leid von Labormäusen lindern. Dafür nutzen sie chemische Stoffe, die Glühwürmchen leuchten lassen. Ein Team der Philipps-Universität habe diesen neuen Ansatz entwickelt, mit dem sich Tumorwachstum in Mäusen besonders schonend überwachen lasse, teilte die Hochschule am Freitag mit.
Statt auf aufwendige bildgebende Verfahren zu setzen, messen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler demnach bestimmte Enzyme direkt im Blut der Tiere und können so die Tumorlast präzise verfolgen. „Die Methode reduziert Stress und Belastung für die Tiere deutlich“, heißt es in der Mitteilung.
Genutzt würden hierfür sogenannte sekretierte Luciferasen. „Das sind leuchtfähige Enzyme, die bestimmte Moleküle in Lichtsignale umwandeln können und so zum Beispiel für das Leuchten von Glühwürmchen verantwortlich sind.“ Diese Luciferasen werden von den Tumorzellen ins Blut abgegeben. Dabei spiegelt ihre Konzentration das Tumorwachstum wider: Je größer der Tumor wird, desto stärkere Lichtsignale lassen sich im Blut messen.
Die Methode sei für verschiedene Krebsarten geeignet, erläuterten die Experten. Tierversuche seien in der Krebsforschung weiterhin unverzichtbar – beispielsweise um frühe Tumorstadien oder das Zusammenspiel von Tumor und Immunsystem zu verstehen. Die Versuche müssten jedoch stetig verbessert und Tierleid verringert werden, sagte Thorsten Stiewe, Experte des Instituts für Molekulare Onkologie der Philipps-Universität.