Zwölfjähriger soll Yosef getötet haben

von Redaktion

Entsetzen in Dormagen: Mutmaßlicher Täter fühlte sich gemobbt – Bewegende Trauerfeier

Yosef soll von einem Zwölfjährigen ermordet worden sein. Am Freitag fand eine Trauerfeier statt. © Gambarini/dpa

Dormagen – Menschen wimmern, schluchzen, weinen: Rund 800 Trauergäste sind auf dem Fußballplatz des FC Delhoven in Dormagen zusammengekommen, um von Yosef (14) Abschied zu nehmen. Trotz sechs Grad Kälte und Regen. Ein ungewöhnlicher Ort, aber: Hier war der aus Eritrea stammende Yosef Torwart und genauso beliebt wie an seiner Schule und im Hundesportverein. Viele Trauernden tragen ein Foto vom lachenden Yosef.

In Dormagen herrscht Entsetzen: Der 14-jährige soll von einem zwölfjährigen Kind getötet worden sein. Tatverdächtig ist ein Junge mit deutscher Nationalität. Demnach habe es Streitigkeiten zwischen den Kindern gegeben. Der 12-Jährige soll sich gemobbt gefühlt haben. Es gebe keine Hinweise darauf, dass die Tat rassistisch motiviert sei, hieß es.

Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) sagte, der Tatverdächtige sei zuvor offenbar nicht polizeilich auffällig geworden. Der Kommunalpolitiker geht davon aus, dass der gewaltsame Tod des Jugendlichen die Stadt noch lange beschäftigen werde. „Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Stadt durch dieses Ereignis, durch diesen schlimmen Tod von Yosef, nachhaltig traumatisiert sein wird“, sagte er bei einer Pressekonferenz. „Dass ein Minderjähriger mutmaßlich diese Tat begangen hat, ist etwas, das uns umso betroffener macht und was uns auch das Blut in den Adern gefrieren lässt“. Die Ermittler hatten erst am Vormittag bekanntgegeben, dass ein Kind tatverdächtig ist.

Dass sich Yosef in Dormagen wohlgefühlt hat, darauf deutete sein Profilbild bei WhatsApp hin: Es zeigt diesen Sportplatz in Dormagen, einer 65 000-Einwohner-Stadt zwischen Köln und Düsseldorf. Vor neun Tagen ist Yosef umgebracht worden. Ein Spaziergänger hatte seine mit Stichen und Schnitten übersäte Leiche an einem See entdeckt.

Die Trauerfeier beginnt mit dem Stück: „I‘m not what happened to me“ (Ich bin nicht, was mir passiert ist). Bürgermeister Lierenfeld spricht die Hinterbliebenen an: „Ihr seid nicht allein. Wenn Unrecht geschieht, muss die Gesellschaft zusammenhalten, um zu zeigen: So nicht!“

„Euren Schmerz können wir nicht in Worte fassen. Unsere heile Welt hat heute einen Riss bekommen“, sagt der Bürgermeister. „Für unsere Gemeinschaft in unserer Stadt wird es nicht mehr dasselbe sein, wie vor dieser Zeit. Diese Tat wird eine Wunde hinterlassen, die vermutlich nie ganz geschlossen wird.“

Als Schülersprecherin Luisa aus der neunten Klasse spricht, rührt sie noch mehr Menschen zu Tränen. „Yosef war ein toller Mensch, den man nicht so leicht vergisst. Er hatte immer ein Lächeln im Gesicht. Sein Lächeln hat über den ganzen Schulhof gestrahlt.“ Zeitweise versagt ihr die Stimme. Als Klassensprecher habe er sich noch vor wenigen Tagen Rat bei ihr geholt. Eine Nachbarin erinnert daran, wie Yosef vor acht Jahren „mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester aus Eritrea nach Deutschland kam. Sie kamen mit dem Wunsch nach Sicherheit und Frieden.“ Yosefs größter Traum sei gewesen, Arzt werden wollen. Nach der Trauerfeier wurde der 14-Jährige im engsten Familienkreis beerdigt. VOLKER DANISCH

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