Pinien und andere Bäume im Park Villa Borghese. © dpa
Rom – Zwischen den Kuppeln der zahlreichen Kirchen und den antiken Ruinen in Rom ragen sie heraus wie Riesen: die stolzen Pinien mit ihren immergrünen Kronen. Seit jeher gehören die prachtvollen Bäume zum Panorama der Ewigen Stadt. Römer nehmen sie fast schon als selbstverständlich wahr. Doch derzeit sind die „pini“ in der italienischen Hauptstadt wieder einmal ein großes Gesprächsthema. Die Angst vor umstürzenden Pinien geht um.
Nach Unwettern sind innerhalb eines Monats drei solcher Bäume mitten auf der berühmten Via dei Fori Imperiali umgestürzt – der Straße, die im historischen Herzen die Piazza Venezia mit dem Kolosseum verbindet und quer durch die antiken Ausgrabungsstätten der Kaiserforen führt. Der letzte Baum fiel vor gut einer Woche und verletzte drei Personen, glücklicherweise nur leicht.
Die Via dei Fori Imperiali zählt zu den beliebtesten Straßen zum Flanieren und vor allem die zahlreichen Rom-Touristen nutzen sie. Entsprechend nervös wurde man im römischen Rathaus: Der besonders betroffene Abschnitt wurde nach dem letzten Vorfall komplett gesperrt, Fußgänger auf eine andere Straße umgeleitet. Zu groß war die Sorge vor weiteren Bäumen, die möglicherweise in eine Menschentraube fallen und großen Schaden anrichten könnten.
Die Stadt Rom berät nun über das weitere Vorgehen mit den dutzenden von Pinienbäumen, die die breite Straße zwischen den Ruinen der Antike säumen. Zwischenzeitlich stand sogar das große Tabu einer flächendeckenden Fällung aller Pinien in diesem Bereich im Raum. Umweltdezernentin Sabrina Alfonsi hat nun aber erst einmal eine Taskforce eingerichtet, in der Experten beraten sollen.
Pinien – auch italienische Steinkiefern genannt – sind in Rom mehr als Bäume: Sie sind ein historisches, ästhetisches und identitätsstiftendes Kulturgut. Federico Fellini feierte sie in seinem Film „Roma“, der Komponist Ottorino Respighi widmete ihnen die sinfonische Dichtung „Pini di Roma“.
Rom gehört überhaupt zu den grüneren Städten Europas: In den drei großen öffentlichen Parks – Villa Borghese, Villa Pamphili und Villa Ada – findet man mitten in der hektischen Großstadt Natur pur. Insbesondere während der oft heißen Sommer, wenn sich die Hitze im engen Stadtzentrum staut, verschaffen sich Römer und Touristen gleichermaßen in den Parks Abkühlung. Pinien, Platanen, Eichen und Palmen säumen aber auch viele Straßen in der Stadt.
Das Problem mit den Pinien ist in gewisser Weise hausgemacht. Die Bäume auf der Via dei Fori Imperiali und anderen Gegenden wurden 1931 in der faschistischen Ära gepflanzt. Da sie da bereits mehr als 20 Jahre alt waren, sind sie heute mindestens 120 Jahre alt. Dieses Alter übersteige ihre Lebenserwartung – die bei etwa einem Jahrhundert liegt – deutlich, sagt Pinien-Experte Flavio Tarquini.