Die Wahrheit übers Intervall-Fasten

von Redaktion

Essen nach striktem Zeitplan: Neue Studie nimmt Trend-Diät unter die Lupe

Viele Menschen schwören auf das Essen mit Blick auf die Uhr, um Gewicht zu verlieren. © Klose/dpa

Buenos Aires – Das Versprechen ist verführerisch: Abnehmen ohne Verzicht. Doch laut einer neuen Übersichtsarbeit ist Intervallfasten womöglich weniger effektiv als von vielen angenommen. Bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas liege der Gewichtsverlust wahrscheinlich nicht über dem anderer Diätformen, berichtet die britische Organisation Cochrane, die regelmäßig hochwertige Gesundheits-Übersichtsarbeiten erstellt.

Die Ergebnisse seien aber mit großen Unsicherheiten behaftet. „Es handelt sich dabei bislang nur um Hinweise, nicht um einen Beweis – das heißt, wir können die Wirksamkeit von Intervallfasten noch nicht mit ausreichender Sicherheit beurteilen“, erklärte Jörg Meerpohl vom Universitätsklinikum Freiburg, Direktor von Cochrane Deutschland.

Für die Analyse berücksichtigte das Team um Luis Garegnani vom Universidad Hospital Italiano in Buenos Aires 22 Studien mit knapp 2000 Teilnehmern aus Nordamerika, Europa, China, Australien und Südamerika.

Demnach zeigte Intervallfasten für Übergewichtige keinen besseren oder nur einen sehr geringfügig besseren Effekt bei der Gewichtsabnahme als andere Methoden, wie die Wissenschaftler berichten. Auch eine merkliche Verbesserung der Lebensqualität ließ sich nicht nachweisen. „Intermittierendes Fasten mag für manche Menschen eine sinnvolle Option sein, doch die derzeitige Studienlage rechtfertigt nicht die Begeisterung, die wir in den Sozialen Medien beobachten“, erklärte Garegnani.

Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2022 rund 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt übergewichtig, das entspricht 43 Prozent der Menschen ab 18 Jahren. Von ihnen waren 890 Millionen – 16 Prozent aller Erwachsenen – adipös. „Gewichtsverlust bleibt die wichtigste Strategie zur Reduzierung der gesundheitlichen Risiken und gesellschaftlichen Folgen von Übergewicht und Adipositas“, heißt es in der Cochrane-Analyse. Eine allgemeine Empfehlung für eine bestimmte Maßnahme auszusprechen, sei aufgrund der aktuellen Studienlage aber schwierig, sagte Mitautorin Eva Madrid von der Universidad de Valparaíso in Chile. „Langzeitdaten, wie Studien von mehr als zwei Jahren Dauer, existieren praktisch gar nicht“, sagt Stefan Kabisch von der Charité in Berlin.

„Die gesamte Studienlage beinhaltet also dutzende Spielarten des Intervallfastens, die man nicht in einen Topf werfen sollte“, erklärt Kabisch. Die Beweislage bleibe insgesamt unsicher – allein schon, weil es eine große Vielfalt an Intervallfasten-Varianten gebe. Eine Methode ist zum Beispiel, an acht Stunden des Tages zu essen und die verbleibenden 16 zu fasten (8:16-Methode). Alternativ kann man an fünf Tagen der Woche normal essen und an zwei Tagen weitgehend hungern (5:2-Methode). Beim Alternate Day Fasting wiederum wird jeden zweiten Tag gefastet.

Zusammengefasst bedeuten die neuen Daten: Wer Gewicht verlieren und seine Gesundheit verbessern möchte, kann – am besten ärztlich beraten und begleitet – die selbst bevorzugte Methode wählen. Bestenfalls eine, die man auch langfristig gut durchhalten kann.

Artikel 7 von 11