Mutter Patrizia mit ihrem „kleinen Krieger“.
Neapel – Für ein kleines italienisches Kind besteht nach einer misslungenen Verpflanzung eines Spenderherzens infolge eines Transportfehlers praktisch keine Hoffnung mehr. Ein Ärztegremium aus verschiedenen Kliniken ist in Neapel zu der Einschätzung gekommen, dass eine nochmalige Operation des Zweijährigen aus medizinischer Sicht keinen Sinn mehr habe. Das Kind liegt seit fast zwei Monaten in der süditalienischen Großstadt auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Beim Transport war das Ersatzorgan falsch gekühlt worden (wir berichteten).
Das Schicksal des kleinen Jungen beschäftigt ganz Italien. In den vergangenen Tagen gab es von Ärzten unterschiedliche Einschätzungen, ob er noch einmal operiert werden kann. Deshalb reisten Herz-Chirurgen vier verschiedener Kliniken am Mittwoch nach Neapel. Nach ihrem Besuch am Krankenbett wurde eine Mitteilung veröffentlicht. Darin heißt es: „Auf der Grundlage der letzten Untersuchungen wird festgestellt, dass der Zustand des Kindes nicht mit einer neuen Transplantation vereinbar ist.“
Die Eltern seien informiert worden. Für sie muss die Situation unerträglich sein. Mutter Patrizia Mercolino war in den vergangenen Tagen täglich im italienischen Fernsehen zu sehen. Den Namen ihres Sohnes will die Mutter nicht verraten. Sie nennt ihn „kleiner Krieger“.
Zum Valentinstag brachte sie einen riesigen Plüschbären in die Klinik. Mit Vorwürfen gegen die behandelnden Ärzte hält sie sich zurück. In ihren Interviews beteuert sie immer wieder: „Ich gebe nicht auf. Ich verliere auch nicht die Hoffnung.“ In ihrer Not bat sie sogar Papst Leo XIV. um Hilfe. Das Schicksal des Jungen bewegt inzwischen die gesamte Nation, bis hinauf in die Regierung. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni rief die Mutter an, um größtmögliche Unterstützung zuzusichern.
Der Junge leidet seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler. Kurz vor Weihnachten wurde nach langem Warten ein Spenderherz gefunden. In Südtirol war ein vierjähriger Bub gestorben, dessen Herz gespendet wurde.
Beim Transport wurde das Ersatzorgan jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis transportiert, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt. Dadurch sei es „buchstäblich erfroren“, heißt es.
Trotzdem wurde das Herz transplantiert. Seither wird der Junge von einer Maschine am Leben gehalten. Inzwischen wird gegen sechs Ärzte und Sanitäter ermittelt.DPA