Auch in Puerto Vallarta kam es zu Bränden. © Santillan/EPA
Mit diesem Bild wurde nach „El Mencho“ gefahndet. Für seine Ergreifung waren 15 Millionen Dollar ausgesetzt. © Dpa
Ein Soldat steht neben einem ausgebrannten Bus, der nach dem Tod „El Menchos“ in Brand gesetzt wurde. © Solis/dpa
Mexiko-Stadt – Nach dem Tod des mächtigen Anführers eines mexikanischen Drogenkartells haben seine Anhänger das lateinamerikanische Land mit einer Welle der Gewalt überzogen. In mehreren Bundesstaaten steckten Anhänger des Drogenbosses namens Nemesio Oseguera Cervantes alias „El Mencho“ Autos, Banken, Tankstellen oder Läden in Brand und blockierten zahlreiche Straßen. Präsidentin Claudia Sheinbaum rief die Bevölkerung zur Ruhe auf. Das Chaos ließ knapp vier Monate vor Anpfiff die Bedenken über Mexiko als WM-Ausrichter wachsen. Das Land richtet ab Juni gemeinsam mit den USA und Kanada die Fußball-Weltmeisterschaft aus. In Mexiko-Stadt, Guadalajara und Monterrey werden insgesamt 13 Spiele ausgetragen.
Bei dem Militäreinsatz am Sonntag gegen „El Mencho“ – der Spitzname soll eine Ableitung seines Vornamens Nemesio sein – kamen nach Angaben des mexikanischen Verteidigungsministeriums in Tapalpa im westlichen Bundesstaat Jalisco sieben Bandenmitglieder ums Leben, darunter der Drogenboss selbst. Er erlag seinen Verletzungen, als er nach Mexiko-Stadt geflogen wurde.
Darüber, wie das Militär den Drogenboss aufgespürt hat, wurden am Montagabend Details bekannt. So wurde laut Verteidigungsminister Ricardo Trevilla zunächst ein Mann als Vertrauensperson einer Geliebten von „El Mencho“ identifiziert. Zwei Tage vor dem Militäreinsatz brachte der Mann die Frau zu dem Drogenboss in einen Hüttenkomplex am Wald nahe Tapalpa im Bundesstaat Jalisco. Die Frau verließ den Ort am nächsten Tag. „El Mencho“ blieb in der Hütte.
Als das Militär ihn schließlich festnehmen wollte, leisteten die schwer bewaffneten Leibwächter des Drogenbosses erbitterten Widerstand. Mit seinem engsten Kreis an Gefolgsleuten floh „El Mencho“ schließlich in den Wald. Er habe sich im Gebüsch versteckt, sagte Trevilla. Dort sei es wieder zu einer Schießerei gekommen, mit am Ende tödlichem Ausgang für den Kartell-Boss.
Die USA hatten die mexikanische Regierung bei der Operation mit Geheimdienstinformationen unterstützt, wie Karoline Leavitt, die Sprecherin von Präsident Donald Trump, in einem Post auf X schrieb. „,El Mencho‘ war als einer der größten Fentanyl-Schmuggler in unser Land ein Hauptziel der mexikanischen und der US-amerikanischen Regierung“, erklärte sie darin.
Von den gewalttätigen Protesten nach dem Tod des Drogenbosses sollen etwa 20 der 32 mexikanischen Bundesstaaten betroffen sein, darunter Jalisco, Michoacán, Aguascalientes, Tamaulipas und Guanajuato, berichteten mexikanische Medien. Dabei habe es mindestens 74 Tote, darunter 25 Mitglieder der Nationalgarde, und viele Verletzte gegeben.
Auch Feriendomizile wie der ebenfalls in Jalisco gelegene Küstenort Puerto Vallarta blieben nicht verschont. Fotos zeigten etwa große schwarze Rauchwolken zwischen Gebäuden in Puerto Vallarta direkt hinter dem Strand aufsteigen. In ihrem Post schrieb Präsidentin Sheinbaum allerdings: „In den meisten Teilen des Landes laufen die Aktivitäten ganz normal weiter.“
Die Behörden riefen die Menschen dazu auf, sich in Sicherheit zu bringen. Auch mehrere Botschaften, darunter die deutsche, appellierten an ihre Staatsbürger, extrem vorsichtig zu sein. Aus Sicherheitsgründen strichen einige Fluggesellschaften ihre Flüge oder leiteten sie um, darunter Verbindungen nach Puerto Vallarta. Von der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa hieß es, Flüge nach München und Frankfurt fänden planmäßig statt.