Taxifahrer Tolga D., der einen Betrug verhinderte. © dpa
Offenbach – Die Situation kommt Tolga D. direkt seltsam vor. Es ist ein Nachmittag Anfang Februar, als der Taxifahrer zu einer Adresse nach Neu-Isenburg gerufen wird. Der unbekannte Mann, der den Wagen bestellt, ruft von einer anonymen Nummer an und ordert eine Fahrt nach Frankfurt.
Tolga D. fährt zu der angegebenen Wohnadresse, wie er berichtet. Vor dem Haus steht bereits eine betagte Frau mit ihrer Schwester. Sie habe aufgebracht gewirkt und gesagt, dass sie eigentlich so schnell wie möglich nach Frankfurt müsse, um Geld abzuheben, erinnert sich der 52-Jährige. Auf seine genaueren Nachfragen sagte die 90-Jährige: Ihr Sohn sei in einen tödlichen Unfall verwickelt und sie müsste nun die Kaution vorlegen, damit er wieder freikomme. Wie die Polizei später berichtete, handelte es sich dabei um 70.000 Euro.
„Bei mir sind direkt die Alarmglocken angegangen“, sagt Tolga D. „Wir machen erst mal gar nichts“, habe er gesagt. „Ich werde erst einmal die Polizei anrufen, das ist ein Fake-Anruf.“ Das habe die Dame gar nicht glauben wollen.
Der tatsächliche Sohn der Seniorin bestätigte später, dass er sich weder bei der Polizei befand noch in einen Unfall verwickelt gewesen war, wie die Polizei mitteilte. „Die Umsichtigkeit des Taxifahrers bewahrte die Rentnerin vor erheblichem finanziellem Schaden.“
Für seine geistesgegenwärtige Reaktion ist Tolga D. gestern von der Polizei ausgezeichnet worden. Gemeinsam mit anderen Menschen, die im richtigen Moment Zivilcourage gezeigt haben.
Da ist etwa ein Jogger, der zufällig an einem brennenden Wohnhaus vorbeilief und den Anwohner, der sich wohl noch im Haus befand, heraus begleitete und den Notruf absetzte. Oder da sind zwei Passanten, die in Offenbach auf einen Streit aufmerksam wurden, im Zuge dessen ein Mann eine Frau angriff und verletzte. Sie stellten sich dem Aggressor entgegen, der vorläufig festgenommen werden konnte.
Durch ihr aufmerksames und verantwortungsbewusstes Handeln hätten sie „ein wichtiges Zeichen für unsere Gesellschaft gesetzt“, sagt Polizeisprecher Thomas Leipold. „Die Bürgerinnen und Bürger werden stellvertretend für all jene geehrt, die sich in besonderer Weise für andere eingesetzt haben. Und natürlich sollen sie auch ein Vorbild sein und andere ermutigen, ebenfalls Verantwortung zu übernehmen.“
Für Tolga D. ist seine Reaktion eine Selbstverständlichkeit. „Ich habe instinktiv nach meinem Bauchgefühl gehandelt.“ Er sei seit 1998 in seinem Beruf unterwegs und habe auch dadurch eine gute Menschenkenntnis, berichtet der 52-Jährige. „Man erlebt verdammt viel als Taxifahrer.“ Und, so ergänzt er: Jeder werde mal alt. Da müsse man sich gegenseitig helfen.