Manche halten Astrologie für überzeugend. © Klose/dpa
Berlin – Ein kurzer Blick ins Tageshoroskop, die Frage nach dem passenden Sternzeichen beim Dating oder das Gefühl, „typisch Widder“ zu reagieren: Astrologie übt auf viele Menschen eine Faszination aus. Selbst wer nicht wirklich daran glaubt, liest Horoskope oft mit Interesse. Warum eigentlich?
Astrologie ist der Versuch, aus Sternkonstellationen am Himmel etwas über unser Leben, unsere Persönlichkeit und unser Schicksal auf der Erde abzuleiten. Die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP) untersucht regelmäßig auf Astrologie basierende Prognosen. Hellseherische Fähigkeiten haben Astrologinnen und Astrologen demnach nicht.
Astrologie ist vielmehr eine Pseudowissenschaft, die empirisch widerlegt ist. Ein plausibles Fundament, „das erklären könnte, wie und warum die Sterne auf unsere Persönlichkeit und Schicksal einwirken könnten“ gibt es nicht, so die GWUP.
Warum fühlen wir uns trotzdem von Horoskopen und Co. angesprochen? Psychologisch betrachtet stecken dahinter ganz normale Denkmechanismen, erklärt Psychologieprofessor Christoph Bördlein.
Viele lesen Horoskope einfach wegen des Unterhaltungseffekts – etwa im Wartezimmer beim Zahnarzt. Hier wirkt der sogenannte Barnum-Effekt. Er beschreibt unsere Tendenz, vage, positiv formulierte Aussagen über uns selbst als treffend zu empfinden. Horoskope machen sich diesen Effekt zunutze. In einer Aussage wie „Sie gehen gern unter Leute, brauchen aber auch Zeit für sich“ findet sich fast jeder wieder.
Hinzu kommt, dass Horoskope meist positiv formuliert sind. „Sie wirken wie kleine Balsam-Texte, die guttun“, sagt Christoph Bördlein. Steht im Horoskop etwa: „Am Montag erwartet Sie eine freudige Überraschung“, findet sich meist irgendein Ereignis, das im Nachhinein passend wirkt. Bleibt die Überraschung aus, wird das schnell vergessen.
Diesen Mechanismus nennt man in der Psychologie Bestätigungstendenz (englisch: Confirmation Bias). „Wer einmal eine Annahme getroffen hat, neigt dazu, diese im Folgenden immer wieder unwissentlich zu bestätigen“, erklärt Prof. Bördlein. Wir nehmen also bevorzugt Ereignisse wahr, die unsere Überzeugung stützen – und blenden Gegenbeispiele aus.
Ein typisches Beispiel: Jemand glaubt, bei Vollmond schlecht zu schlafen. Nach einer unruhigen Nacht folgt der Blick in den Kalender – tatsächlich: Es war eine Vollmond-Nacht. Das scheint die Annahme zu bestätigen. „Und nun stellen Sie sich vor, es war Vollmond und Sie haben gut geschlafen?“, so Bördlein. Solche widersprechenden Fälle registrieren wir meist gar nicht bewusst – oder vergessen sie schnell. Besonders anfällig für derartige Überzeugungen seien wir in unsicheren Situationen, die „von wenig objektiver Kontrolle gekennzeichnet sind“, so der Psychologe.