Forensiker Dr. Harald Schneider. © Jonas Ratermann/dpa
Koblenz/Wiesbaden – Wenn Ermittlungen zu Kapitaldelikten stocken, können Fachleute des Landeskriminalamtes (LKA) Hessen weiterhelfen. Sie sind spezialisiert auf die Analyse winziger DNA-Spuren. Das Team um Harald Schneider war schon am Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke maßgeblich beteiligt. Nun führte es die Polizei über 30 Jahre nach dem Mord an Amy Lopez in Koblenz auf die Spur des Tatverdächtigen. Ermöglicht hat das die selektive Hautschuppenanalyse.
Grob gesagt wird dabei aus winzigen Hautbestandteilen, die beispielsweise auf Tatwerkzeugen oder auf Kleidung und Körpern von Opfern haften, DNA isoliert und mit anderen DNA-Proben abgeglichen. Dahinter steckt viel Detailarbeit und immenser Aufwand, wie Schneider erklärt. Die Spuren an Tatorten sichern Ermittler unter anderem mithilfe spezieller Klebefolien, um kleinste Textilspuren oder Hautreste zu bewahren. Lange Zeit sei es unmöglich gewesen, solche Spuren auszuwerten, bis die Technik in den 1990er- und 2000er-Jahren enorme Fortschritte gemacht habe.
Auf diese Spuren greift man in der Regel zurück, wenn es an klassischen biologischen Spuren wie Blut, Sperma, Speichel oder Haaren fehlt. Im Fall Amy Lopez war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Koblenz eine DNA-Spur vom Hosenbund der damals 24-Jährigen mitentscheidend für die Festnahme des heute 81-jährigen Tatverdächtigen. Auch in anderen Cold Cases eröffnen sich durch diese Technik völlig neue Möglichkeiten.