Milchiger Gruß aus der Sahara: Am Vierwaldstättersee in der Schweiz hat sich der Staub am Freitagmorgen bereits bemerkbar gemacht. © Urs Flueeler/EPA
München – Warme Luft und Saharastaub aus Nordafrika kommen am Wochenende nach Deutschland. Der Sonnenschein sei nicht ganz ungetrübt, schreibt Meteorologe Christian Herold von der Wettervorhersagezentrale des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach. „Denn mit der südlichen Strömung werden hohe Konzentrationen an Saharastaub zu uns geführt.“
Diese machten sich schon am Freitag besonders im Westen Deutschlands als weiß-gelbliche Trübung bemerkbar. „Dieser Staub wird uns noch einige Tage erhalten bleiben“, schreibt Herold. Dabei ließen sich ungewöhnlich farblose, weiße Sonnenaufgänge und -untergänge beobachten.
Andreas Walter, Meteorologe beim Wetterdienst, sagt, der Staub sei am Freitag hauptsächlich im Südwesten bis Würzburg vorangekommen. Dort sei er in einer Höhe von zwei bis vier Kilometern nachweisbar. „Mit dem Autowaschen sollte man übers Wochenende warten“, sagte er. Wie weit die Staubwolke es nach Oberbayern schafft, war am Freitag noch nicht ganz klar vorauszusehen.
Saharastaub ist ein Wetterphänomen, bei dem Staub- und Sandpartikel aus der Sahara-Wüste in Nordafrika über weite Distanzen transportiert werden. Bodennahe Turbulenzen wirbeln gewaltige Mengen Sand in der Wüste auf, wobei die Partikel bis zu fünf Kilometer in die Atmosphäre steigen und dort bis zu einem halben Jahr schweben können. Bei bestimmten Wetterlagen wird der Staub dann innerhalb weniger Tage bis nach Mitteleuropa gepustet.
Das Phänomen tritt in Deutschland zwischen fünf und 15 Mal im Jahr auf – vor allem zwischen März und Juni sowie Oktober und November. Die Häufigkeit scheint sich aber in den vergangenen Jahren erhöht zu haben. Gründe dafür könnten Änderungen in den atmosphärischen Zirkulationsmustern und zunehmende Trockenheit in Nordafrika sein.
Über die gesundheitlichen Folgen sind sich Experten uneinig. Das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg und der Deutsche Wetterdienst betonen, der Saharastaub sei nicht gefährlich, da die Partikel bereits im Rachenbereich abgestoßen würden. Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik warnt hingegen, dass Feinstaub aufgrund der geringen Partikelgröße über den Kehlkopf bis tief in die Lunge gelangen und daher gesundheitsschädlich sein könne.
Der Staub hat auch nützliche Eigenschaften: Da sich in der Sahara früher ein Süßwassersee befand, ist der Staub nährstoffreich und dient als Dünger – etwa für die Regenwälder in Südamerika. Auch Spaniens Böden profitieren vom Calcium und Magnesium aus der Wüste. Pro Jahr werden etwa eine Milliarde Tonnen Staub verblasen.