Aufstand der Nonnen endet mit Rauswurf

von Redaktion

Schwester Paloma im Garten des Klosters. © dpa

Belorado – Schwester Paloma blickt betrübt in die Kamera und sagt leise: „Wir sind Opfer einer Verfolgung, einer Verfolgung wegen unseres Glaubens. Anders lässt sich so viel Bösartigkeit nicht erklären.“ Nach fast zweijährigem Streit mit der katholischen Kirche werden Paloma und sechs weitere rebellische Nonnen in Spanien jetzt aus ihrem langjährigen Zuhause vertrieben.

Die Justiz entschied, dass die früheren Angehörigen des Ordens der Klarissen ihr Kloster im 1.800-Seelen-Dorf Belorado am Jakobsweg im Norden des Landes, das vom Orden seit 1349 bewohnt wird, bis Donnerstag um 9.30 Uhr verlassen müssen – sonst droht eine Zwangsräumung mit Polizei und Gerichtsvollzieher. Der Countdown läuft.

Die kämpferischen Frauen hatten zuvor mehrere Räumungsaufforderungen ignoriert und sich im Kloster regelrecht verbarrikadiert. Doch nun werfen sie das Handtuch. Die Abtrünnigen im Alter von bis zu 61 Jahren wollen keinen demütigenden Rauswurf vor TV-Kameras und deshalb kurz vorher ausziehen. „Sie sind verzweifelt, am Boden zerstört“, erzählt ihr Sprecher Francisco Canals. „Sie wollen gehen, ohne gesehen zu werden – aus Würde.“ Am Donnerstag würden ihre Anwälte die Schlüssel übergeben.

Der außergewöhnliche, ja bizarre Konflikt sorgt in ganz Spanien und über die Grenzen hinaus bereits seit Anfang Mai 2024 für Schlagzeilen: Die „Schoko-Nonnen“, die für ihre Süßigkeiten aus der Klostermanufaktur bei Wandersleuten und in ganz Spanien bekannt sind, sagten sich damals von der Amtskirche los und erklärten: „Wir erkennen den Vatikan nicht an – es ist eine Farce.“

Die Aufsässigen sind überzeugt: Die katholische Kirche habe sich seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil von der „wahren Lehre“ entfernt. Statt Gott stehe der Mensch im Mittelpunkt, beklagten sie in einem aufsehenerregenden „Manifest“. Von den ursprünglich 16 Rebellinnen gaben einige etwa aus Altersgründen den Kampf auf, andere änderten ihre Meinung und zogen weg.

Die Verbliebenen folgen in etwa der Lehre des Pablo de Rojas Sánchez-Franco – eines selbst ernannten Bischofs, der eine ultrakonservative Glaubensgemeinschaft namens „Pia unio sancti pauli apostoli“ gegründet hat und seit 2019 exkommuniziert ist. Der exzentrische 45-Jährige, ein erklärter „Bewunderer“ von Diktator Francisco Franco, der sich gern mit Luxus umgibt, behauptet, der Papstsitz sei seit dem Tod von Pius XII. im Jahr 1958 vakant, weil alle Nachfolger die wahre Glaubenslehre verraten hätten.

„Man will uns zerschlagen, auslöschen, weil wir wohl etwas zu sagen haben, das man nicht hören will“, mutmaßt Schwester Paloma im Video, das kurz vor der Räumung des Klosters an verschiedene Medien in Spanien geschickt wurde. „Man hat gesagt, wir seien verrückt, eine Sekte – und noch viel Schlimmeres.“

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