KI-Spielzeug mit Risiken für Kinder

von Redaktion

Die dreijährige Mia spielt mit einem KI-Plüschtier. © dpa

Cambridge/Paderborn – Es klingt verlockend: Niedliche Gefährten, die mit Kleinkindern sprechen, lernen und spielen können, stets verfügbar, stets verständnisvoll. Immer mehr Plüschtiere, Puppen und Figuren mit integrierten Chatbots werden angeboten, KI-Spielzeug gilt in der Branche als vielversprechender Wachstumsmarkt. Experten allerdings warnen vor dem unbedarften Einsatz. Eine unbegleitete, regelmäßige Nutzung könne die soziale Entwicklung von Kindern beeinträchtigen, befürchtet ein Team um Emily Goodacre von der University of Cambridge.

In Zusammenarbeit mit der britischen Kinderhilfsorganisation The Childhood Trust hatten die Forschenden den Umgang von 14 Drei- bis Fünfjährigen mit dem KI-Stofftier „Gabbo“ des US-Herstellers Curio analysiert. Zudem wurden die Kinder und ihre anwesenden Bezugspersonen interviewt. „Gabbo“ besitzt Mikrofon, Lautsprecher und eine Chatbot-Funktion. Es leitet Gespräche an Cloud-Server weiter, wo KI-Antworten generiert werden.

Wenig überraschend waren viele der Kinder schwer begeistert von dem interaktiven Spielgefährten. Einige umarmten und küssten das Gerät, sagten, dass sie es lieben. Eine Mutter äußerte, sie habe schon lange nach so etwas gesucht, das ihrem Sohn Bücher vorlese und ihm Fragen stelle.

Tatsächlich werden KI-Spielzeuge gern als wertvolle Lernbegleiter vermarktet. Das berge die Gefahr, dass Eltern ihr Kleinkind guten Gewissens stundenlang allein mit dem KI-Teil spielen lassen, sagt der Entwicklungspsychologe Sven Lindberg, selbst nicht an dem Bericht beteiligt. Damit werde ihm zum einen Zeit für wertvolle andere Dinge genommen – toben, malen, sich selbst kreativ Dinge ausdenken. Zudem ersetze ein Gerät niemals den Menschen, wenn es um Beziehungsaufbau und kindliche Entwicklung gehe. „Mimik, Gestik, Resonanz – man braucht sehr viel, um das Menschsein lernen zu können.“

Spielerisch agierende KI-Geräte böten etwa in der Frühförderung oder auch der Logopädie sicherlich großes Potenzial, betont Lindberg, Leiter der Klinischen Entwicklungspsychologie an der Universität Paderborn. „Als Unterstützung beim Lernen oder wenn es darum geht, Kinder zum Wiederholen von Übungen zu motivieren.“ KI-Spielzeug könne Kinder mit qualitativ hochwertiger Sprache konfrontieren, ergänzt Burkhard Rodeck, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). „Das ist insbesondere dann eine Chance, wenn Eltern selbst wenig vorlesen, sprachlich eingeschränkt sind oder wenn die Kinder mehrsprachig aufwachsen.“

Kurze, begleitete Spieleinheiten mit KI-Spielzeug hätten gegenüber passiven Medien auch im Alltag durchaus Vorteile, meint Rodeck.

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