„Marius Hoiby nimmt sich, was er will“

von Redaktion

Plädoyers der Staatsanwaltschaft gegen Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit

Eine Gerichtszeichnung zeigt Hoiby (M.) mit Anwälten.

Hoiby mit Ex-Freundin Nora Haukland. © Ddp, Hem/dpa

Marius mit Mutter Mette-Marit. © danapress

Marius Borg Hoiby im Januar auf dem Weg zu einem Treffen mit seinem Anwalt in Oslo. © Dana Press

Oslo – Im Prozess gegen Marius Borg Hoiby hat die Staatsanwaltschaft zum Beginn der letzten Verhandlungswoche ein scharfes Plädoyer gehalten. Vor dem Gericht in Oslo zeichnete Staatsanwalt Sturla Henriksbo das Bild eines Mannes, der Regeln missachte und Frauen gegenüber wenig Respekt zeige.

Der 29-Jährige, Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit (52), steht wegen einer Vielzahl schwerer Vorwürfe vor Gericht. Die Anklage umfasst unter anderem mehrere Fälle von Vergewaltigung, Körperverletzung, Bedrohung und Verstöße gegen Kontaktverbote. In vier Fällen wirft die Staatsanwaltschaft ihm Vergewaltigung nach norwegischem Recht vor. Die betroffenen Frauen sollen während der mutmaßlichen Taten geschlafen haben oder aufgrund eines Blackouts nicht bei Bewusstsein gewesen sein.

In seinem Schlussvortrag beschrieb Henriksbo den Angeklagten als jemanden, der „sich nimmt, was er will“. Demnach habe Hoiby wiederholt die Grenzen anderer Menschen missachtet. Der Staatsanwalt kritisierte insbesondere den Umgang des Angeklagten mit Frauen. Hoiby habe etwa nicht danach gefragt, ob körperliche Annäherungen auf einer Party erwünscht gewesen seien, und auch nicht, ob es für Frauen „in Ordnung“ gewesen sei, nach dem Einschlafen erneut Sex zu haben. Zugleich zeichnete die Anklage ein Bild von starken Stimmungsschwankungen und Kontrollverlust. Hoiby sei ein „Mann mit einem Aggressionsproblem“, sagte Henriksbo. Eifersucht, Wut und Alkohol hätten ihn wiederholt aus der Fassung gebracht. Laut Staatsanwaltschaft könne er „die Beherrschung verlieren, ausrasten, schreien“, Gegenstände werfen und Löcher in Wände schlagen. Auch Vorwürfe, er habe Frauen gewürgt, geschlagen oder angespuckt, griff der Staatsanwalt in seinem Plädoyer auf.

Trotz der scharfen Kritik betonte Henriksbo zugleich, der Angeklagte sei „kein Monster“. Hoiby sei ein Mensch wie jeder andere. Damit reagierte er auf eine Aussage des 29-Jährigen aus der vergangenen Woche. In seiner eigenen Befragung hatte Hoiby erklärt, er fühle sich inzwischen als „Monster“ in der öffentlichen Wahrnehmung und als „Hassobjekt von ganz Norwegen“.

Der aufsehenerregende Prozess wird in dem skandinavischen Königreich aufmerksam verfolgt, nicht zuletzt wegen der Nähe des Angeklagten zum Königshaus. Hoiby hat keinen Adelstitel und gehört nicht zum Königshaus, steht als ältester Sohn der Kronprinzessin aber seit seiner Kindheit im Blick der Öffentlichkeit.

In den kommenden Tagen werden die Schlussplädoyers der Verteidigung erwartet. Ein Urteil wird erst einige Zeit nach Abschluss der Verhandlungen fallen. Der Prozess dauerte sechs Wochen und umfasste mehr als 800 SMS, zahlreiche Zeugenaussagen und umfangreiches Videomaterial. Mehrere mutmaßliche Opfer, Ex-Freundinnen, Freunde, Experten und Ermittler sagten aus. Viele Aussagen fanden zum Schutz der Frauen hinter verschlossenen Türen statt. Hoiby sitzt während des Prozesses in Untersuchungshaft, nachdem er kurz vor Prozessbeginn erneut festgenommen wurde – wegen Drohungen mit einem Messer und Verstoß gegen ein Besuchsverbot.

Hoiby bestreitet die Vergewaltigungsvorwürfe während des gesamten Prozesses vehement. Er gibt an, nach eigener Einschätzung mit allen Frauen einvernehmlichen Sex gehabt zu haben. Einige andere Taten – darunter Fälle von häuslicher Gewalt, Sachbeschädigung und Drogenmissbrauch – hat er eingeräumt. Der Prozess gegen Hoibyist einer der größten Skandale für die norwegische Königsfamilie in jüngerer Zeit. Ihm drohen bei seiner Verurteilung im schlimmsten Fall bis zu zehn Jahre Haft.

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