In Norwegen beherrscht der Fall die Schlagzeilen. Es ist der größte Skandal in der Monarchie. © Wäschenbach/dpa
Oslo – Im Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin hat dessen Verteidiger in Oslo laut übereinstimmenden Medienberichten für einen Freispruch von den Vergewaltigungs-Vorwürfen plädiert. „Es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, dass Marius für die Vergewaltigungen verurteilt werden kann“, sagte Verteidiger Petar Sekulic.
Die Verteidigung sieht es demnach nicht als erwiesen an, dass Marius Borg Høiby vier Frauen nach norwegischem Recht vergewaltigt hat, während diese laut Anklage schliefen und sich nicht zur Wehr setzen konnten. Videos, die der Angeklagte selbst während der mutmaßlichen Taten gemacht haben soll, seien keine eindeutigen Beweise – und ohne solche stehe Høibys Wort gegen das der Frauen, so Verteidiger Petar Sekulic.
Sekulic säte Zweifel an der Glaubwürdigkeit vor allem eines der mutmaßlichen Opfer. „Ich glaube, dass sie einen lockeren Umgang mit der Wahrheit und Fakten hat – und dass sie während der sexuellen Handlungen höchstwahrscheinlich wach war“, sagte der Verteidiger laut „Verdens Gang“. Die Frau hatte Medien zufolge ausgesagt, einen Blackout gehabt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch dafür plädiert, Høiby in 39 von 40 Anklagepunkten zu verurteilen und eine Gesamtstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten Haft für Mette-Marits Sohn gefordert.
Lediglich für einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot solle Høiby freigesprochen werden. Die Zeit, die er schon in Untersuchungshaft verbracht hat – es sind rund zwei Monate –, soll von der Haftstrafe abgezogen werden. In diesem Punkt sind sich Staatsanwälte und Verteidiger einig. Außerdem verlangt die Anklage ein zweijähriges Kontaktverbot zu einer von Høibys Ex-Freundinnen.
Der 29-Jährige ist unter anderem wegen vier Fällen von Vergewaltigung nach norwegischem Recht, häuslicher Gewalt gegen zwei Ex-Freundinnen, zahlreicher Verstöße gegen Kontaktverbote, Beleidigung von Polizisten, eines Drogen-Transports sowie mehrerer Verkehrsdelikte angeklagt. Einige der Taten hat Høiby eingeräumt. Die Vergewaltigungen hat er bestritten. Die Verteidigung plädierte am letzten Prozesstag auf eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren.