Hunderte reisen jährlich zum Mount Everest. © Sherpa/dpa
Kathmandu – Betrug in Nepals Bergsteigerszene: Im Himalaja sollen Bergführer und Sherpas systematisch teure Rettungsaktionen fingiert haben. Das berichtet die „Kathmandu Post“. Demnach sollen die Täter Expeditionsteilnehmer teils gezielt krank gemacht haben, indem sie unter anderem Backpulver, Natron oder das Medikament Diamox heimlich ins Essen oder Trinkwasser mischten. Die Folge: Schwindel, Übelkeit, Magenprobleme. Diese Symptome ähneln denen der gefährlichen Höhenkrankheit, so konnten die erfahrenen Bergführer die Betroffenen überzeugen, sie befänden sich in akuter Lebensgefahr. Anschließend organisierten sie teure Hubschrauberrettungsflüge nach Kathmandu.
Ein typisches Szenario: Vier Touristen werden gemeinsam per Hubschrauber gerettet – abgerechnet werden jedoch vier einzelne Rettungsflüge.
Durch diese inszenierten Rettungen sollen die Betrüger bis zu 17 Millionen Euro von Versicherungen kassiert haben. 171 fingierte Rettungseinsätze konnten bislang aufgedeckt werden. Die Betrugsmasche erstreckte sich wohl von 2018 bis mindestens 2025. Ende März wurden in diesem Zusammenhang 32 Personen angeklagt, darunter Manager von Helikopterfirmen, Krankenhausbetreiber und Trekkingagenten. Wie die „Berliner Morgenpost“ berichtet, befinden sich neun der Beschuldigten derzeit in Haft, andere sind auf der Flucht. Insgesamt ermitteln die Behörden in Nepal wohl zu rund 300 Helikopterflügen, die als fingiert eingestuft wurden.
Derweil startet in den kommenden Wochen die diesjährige Frühjahrssaison am Mount Everest. Etwa 500 Bergsteiger aus aller Welt wollen es zum Gipfel schaffen. Bis Ende Mai öffnet sich ein Zeitfenster, in dem die klimatischen Bedingungen eine Gipfelbesteigung zulassen.