Reid Wiseman mit seiner Frau Carroll.
Reid Wiseman mit seinen beiden Töchtern, die er allein erzieht.
Gestern lieferte die Crew einen scharfen Film der Oberfläche des Mondes. © Nasa
Artemis-2-Kommandant Reid Wiseman blickt aus einem der Fenster der Orion-Raumkapsel auf den Mond. Hier hat er seiner verstorbenen Frau einen Krater gewidmet. © Nasa/dpa
Houston – Mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernt hat es – während sie Geschichte svhrieben – für die Astronauten der Artemis-2-Mission am Montag einen besonders bewegenden Moment gegeben: Sie benannten einen Mondkrater nach Carroll Taylor Wiseman, der verstorbenen Ehefrau von Reid Wiseman, dem Kommandeur der Mission.
„Es ist ein heller Punkt auf dem Mond“, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen mit brechender Stimme bei der Live-Übertragung, kurz nachdem die Raumkapsel einen neuen Entfernungsrekord zur Erde aufgestellt hatte. „Und wir würden ihn gerne Carroll nennen.“ Zu bestimmten Zeitpunkten des Mondtransits sei der Krater von der Erde aus zu sehen.
Dem Nasa-Astronauten Wiseman kamen die Tränen, wie auch seinen Mitreisenden. Alle vier Astronauten umarmten sich, während im Kontrollzentrum in Houston eine Schweigeminute abgehalten wurde. Die zwei Töchter von Wiseman und seiner gestorbenen Ehefrau verfolgten das Ganze ebenfalls im Kontrollzentrum in Houston im US-Bundesstaat Texas.
Für einen weiteren neu entdeckten Krater schlug das Team den Namen „Integrity“ (Integrität) vor – so nennen die vier Astronauten auch ihre Raumkapsel. Aus dem Kontrollzentrum in Houston kam die Bestätigung, dass die Vorschläge auf der Erde angekommen seien: „Integrity- und Carroll-Krater, laut und deutlich. Danke“, sagte die Ingenieurin und Astronautin Jenni Gibbons.
Carroll Taylor Wiseman war 2020 an Krebs gestorben, Reid Wiseman, ein ehemaliger Marine- und Testpilot, zieht die beiden Töchter seitdem alleine groß.
Bei ihrem Flug um den Mond herum beobachteten die Astronauten den Himmelskörper rund sieben Stunden lang ganz besonders intensiv. Insbesondere auf der Rückseite des Mondes konnten sie dabei auch aufgrund der Sonnenverhältnisse Dinge sehen, die nie ein Mensch zuvor mit den eigenen Augen gesehen hat. Für rund 40 Minuten war es währenddessen für die Astronauten, wie vorab erwartet, nicht möglich, mit dem Kontrollzentrum auf der Erde zu kommunizieren. Die Crew der „Artemis 2“-Mondmission hat sich weiter von der Erde entfernt als jemals Menschen zuvor. Die vier Astronauten knackten mit ihrer „Orion“-Kapsel den 1970 aufgestellten Rekord der „Apollo 13“-Mission von rund 400.171 Kilometern, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte. Am weitesten Punkt waren sie im weiteren Verlauf rund 406.771 Kilometer von der Erde entfernt.
Die vier Astronauten sind die ersten Menschen seit mehr als 50 Jahren in der Nähe des Mondes. Sie waren in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) an Bord der „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida abgehoben – und sind jetzt auf dem Rückweg zur Erde. Nach insgesamt rund zehn Tagen sollen sie Ende der Woche im Pazifik wieder auf der Erde aufkommen. „Wir fliegen zur Erde und sind bereit, euch heimzubringen“, sagte die kanadische Astronautin Jenni Gibbons im Kontrollzentrum. Koch in der „Orion“-Kapsel sagte allerdings, sie sei eigentlich noch nicht bereit, wieder nach Hause zu fliegen.