Kenia: Mehr Mädchen in die Ehe gedrängt

von Redaktion

Schule hilft gegen Frühehen. © Krafczyk/dpa

Kakuma – Joseph Edukon blickt von seinem Schreibtisch aus stirnrunzelnd auf die Tabelle an der gegenüberliegenden Wand. Sie zeigt die aktuellen Schülerzahlen der Kakuma Primary and Junior School in Kakuma in der Turkana-Region in Nordkenia. Zurzeit besuchen mehr als 1100 Jungen und knapp 900 Mädchen den Unterricht. Edukon, Schulleiter der staatlichen Schule, will dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

Denn in Turkana herrscht, wie in den anderen halbwüstenartigen Regionen im Norden des ostafrikanischen Landes, seit Monaten Dürre. Jetzt hat es zwar zu regnen begonnen, doch ob der Niederschlag ausreicht für die Bauern und viehzüchtenden Nomaden, ist weiterhin offen. Zu oft versiegte der Regen in der Vergangenheit bereits nach kurzer Zeit, zu oft verdorrte das Gras. In den traditionellen Weidegebieten reicht das Futter für die Herden nicht mehr aus.

Wenn die Ziegen und Schafe wegen Mangels an Futter und Wasser sterben, zerstört das nicht nur die Lebensgrundlage der Nomaden, sondern auch die Zukunftsträume der Kinder und Jugendlichen, allen voran der Mädchen. Ihr Schulbesuch endet oft frühzeitig, wenn sie Wasser und Feuerholz in immer weiterer Entfernung suchen müssen und ihre Eltern sie nicht mehr in die Schule schicken. Ein großes Risiko nicht nur in der Turkana-Region, sondern auch in anderen Hirtenvölkern ist zudem, dass junge Mädchen in eine Ehe gezwungen werden, um ihre Familie zu entlasten.

„Viele Eltern sind mit den Herden weit weggezogen, um noch Weidegründe zu finden“, sagt Edukon. Das stellt die Schule vor Herausforderungen, wenn im April die einmonatigen Ferien beginnen. Kinder, die als Internatsschüler in der Schule leben, sollen dann nicht alleine auf der Straße landen, vor allem, wenn sie keine sesshaften Angehörigen in der Stadt haben. „Es ist nicht einfach, vor allem, da überall die Gelder knapp sind“, räumt Edukon ein. „Aber bisher mussten wir noch kein Kind auf die Straße schicken.“ Eine Reihe von Kindern kann so auch in den Ferien in der Schule bleiben und versorgt werden.

Kostenlose Schulmahlzeiten sind ein Argument, das viele Familien überzeugt, ihre Kinder in schlechten Zeiten nicht aus der Schule zu nehmen – denn dadurch belastet ein Esser weniger den Familienhaushalt. Dank Unterstützung der Malteser teilt die Schule täglich 2300 Mahlzeiten aus – nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, sondern auch für mehrere hundert Straßenkinder, für die der flüssige Haferbrei oft die einzige verlässliche Mahlzeit des Tages ist.

In anderen Fällen stellt die Schule einen sicheren Hafen und Schutz für Schülerinnen vor einer Zwangsehe dar, und das auch in den Ferien.

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