Erst beschimpft Präsident Trump Papst Leo, dann postet er auf seiner Plattform Social Truth dieses KI-Bild von sich als Jesus-gleichen Erlöser. © Handout/AFP, Brandon/dpa
Washington/Vatikanstadt – „Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung.“ Papst Leo XIV. lässt sich von US-Präsident Donald Trump und seinen wütenden Ausbrüchen nicht einschüchtern. Dass das Kirchenoberhaupt sich überhaupt dazu genötigt fühlt, sich auf seinem gestern gestarteten Afrikabesuch derart zu äußern, ist beispiellos in der Geschichte des Vatikans. Die Diplomatie des Papstes zeichnet äußerste Zurückhaltung aus. Meist finden Gespräche geräuschlos hinter den Kulissen statt.
Nun aber gab es einen außergewöhnlichen Angriff von Trump auf das Kirchenoberhaupt. Auf Social Media hat der US-Präsident kritisiert, der Papst sei „schwach, wenn es um Kriminalität geht, und schrecklich in der Außenpolitik“. Überhaupt sei Robert Francis Prevost (so der Geburtsname des Papstes) nur deshalb zum Papst gewählt worden, weil er US-Bürger sei und die Kardinäle „glaubten, dass das der beste Weg ist, um mit Donald J. Trump umzugehen“. Der Präsident schreibt weiter: „Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan.“ Kurz darauf veröffentlichte der US-Präsident ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) hergestelltes Bild, das ihn als eine Art Heilsbringer zeigt, der wie Jesus einen Kranken durch Handauflegen heilt. Im Hintergrund fliegen Kampfflugzeuge durchs Bild, eine große US-Flagge und Weißkopfseeadler sind zu sehen.
Papst Leo wies die Kritik an seinem Appell für ein sofortiges Ende der verschiedenen Kriege zurück. „Was ich sage, ist keinesfalls als Angriff auf irgendjemanden gemeint. Ich bin kein Politiker. Ich lade alle Menschen dazu ein, Brücken für Frieden und Versöhnung zu bauen und nach Wegen zu suchen, um Krieg zu vermeiden.“ Die Botschaft des Evangeliums sei klar: „Selig sind die Friedfertigen.“ Er werde weitermachen mit dem, „was ich für die Mission der Kirche halte“.
James W. Davis, amerikanischer Politikwissenschaftler und Katholik, wundert sich längst nicht mehr über grenzüberschreitende Posts des US-Präsidenten. Es sei vollkommen richtig, dass sich der Papst dagegen wende, Gott für einen Krieg politisch zu vereinnahmen. Wenn Trump und seine Anhänger behaupteten, „Gott ist auf unserer Seite“, sei das ein Sakrileg. Ebenso wie die KI-Illustration. Dass der US-Präsident derart wütet, führt Davis auf dessen Persönlichkeitsstruktur zurück. „Das sind klassische Züge einer hochgradig narzisstischen Persönlichkeitsstörung, wenn er behauptet, Papst Leo habe seine Wahl Trump zu verdanken.“
Welche Folgen derartige Trump-Posts auf christliche Wählerschichten haben, lässt sich laut Davis nicht eindeutig beantworten. Es gebe die große Gruppe der fundamentalistischen Evangelikalen, die eine brüchige Allianz mit den Katholiken eingegangen sei. Obwohl Evangelikale immer die „Verdorbenheit der katholischen Kirche“ und die Stellung des Papstes kritisiert hätten, sähen sie in den Katholiken Verbündete etwa bei der Abtreibung, beim öffentlichen Gebet oder der Unterstützung von kirchlichen Krankenhäusern. Die Katholiken andererseits seien sehr zerstritten. Zu den Konservativen gehören laut Davis der frühere Trump-Berater Steve Bannon und der konvertierte Vizepräsident JD Vance. Derzeit gebe es eine interessante Bewegung: Junge Männer treten zum Katholizismus über.
Auch wenn Trumps KI-Bilder bei konservativen Christen nicht gut ankämen, glaubt Davis nicht, dass sie einen Stimmungsumschwung gegen ihn auslösen. Trumps Kernwähler seien nicht von ihm wegzubringen, „außer es geht weiter mit sinnlosen Kriegen“. In der Golfregion gebe es Anzeichen für eine andauernde militärische Auseinandersetzung. Die politische Verbindung mit dem fundamentalistischen Protestantismus hält Davis für viel gefährlicher als eine Auseinandersetzung mit dem Papst.CLAUDIA MÖLLERS