In der Waldschule üben die Orang-Utan-Waisen das Leben im Regenwald. © dpa
Orang-Utan-Waisen auf dem Weg in die Waldschule. © dpa
Borneo – Tief im Regenwald der Insel Borneo in Asien gibt es eine ganz besondere Schule: die Waldschule. Doch hier lernen keine Menschenkinder, sondern kleine Orang-Utans! Viele der jungen Affen haben eine traurige Geschichte. Manche der Affenkinder in der Waldschule wurden aus Zoos oder Tierparks gerettet, wo sie eingesperrt waren oder Kunststücke vorführen mussten. Andere haben keine Eltern mehr und sind allein.
„Die Orang-Utan-Kinder in unseren Rettungszentren lernen bei uns alles, was ein wilder Orang-Utan können und wissen muss“, sagt Daniel Merdes. Er leitet in Deutschland die Tierschutzorganisation BOS, die die Waldschulen in Borneo aufgebaut hat. Der Unterricht fängt für die Babys im Waldkindergarten mit einfachen Kletterübungen an. „Denn so wie wir Menschen das Laufen lernen müssen, müssen Orang-Utans das Klettern lernen“, erklärt Daniel Merdes.
Mit ungefähr drei bis vier Jahren kommen die Orang-Utan-Kinder dann in die Waldschule. Hier lernen sie, welche Nahrung es im Regenwald gibt und wie sie die finden. Die Lehrerinnen sind menschliche Ersatzmütter. Die zeigen den kleinen Affen auch, wie sie Schlafnester herstellen können. Denn ein Orang-Utan baut sich jeden Tag ein neues Bett hoch oben in den Bäumen.
Nach ein paar Jahren ziehen die Orang-Utans auf besondere Inseln um. Dort leben sie fast frei, bekommen aber noch etwas zusätzliches Futter. „Wir beobachten sie genau, um zu sehen, ob sie bereit sind, selbstständig zu leben“, sagt Daniel Merdes. Sobald sie das können, dürfen die Orang-Utans frei im Regenwald leben. Bei manchen dauert das aber lange. So war es bei Kapuan. Sie wurde 2004 aus einem Tierpark in Thailand gerettet. Sie musste danach alles neu lernen, weil sie das Leben im Dschungel nicht kannte. Fast 20 Jahre hat es gedauert, doch jetzt schwingt Kapuan sich durch die Wälder Borneos und lebt dort, wo sie hingehört.
Tierschützer wünschen sich, dass Menschen mehr an den Schutz der Affen denken. Daniel Merdes sagt: „Bitte geht nicht in solche Parks, wo Wildtiere in Shows auftreten müssen oder für Fotos direkten Kontakt mit den Besuchern haben.“ Denn für die Tiere sei das kein Spaß.
Achtung auch auf Social Media! „Wenn YouTuber sich mit süßen Affenbabys zeigen, steckt auch immer Leid für die Tiere dahinter. Also bitte nicht liken“, sagt Daniel Merdes.