Viele Menschen benutzen die KI im Alltag. © Tapia/dpa
Bonn – Künstliche Intelligenz verursacht laut einer Untersuchung deutlich mehr und vielfältigere Umweltschäden als bislang angenommen. Zu diesem Ergebnis kommt die Wissenschaftlerin Sophia Falk in ihrer aktuellen Doktorarbeit an der Universität Bonn. So könne das Training eines großen KI-Modells mehrere hundert Millionen Liter Wasser verbrauchen, wie Falk erklärte.
Demnach benötigt eine Trainingsrunde von ChatGPT-4 rund 927 Millionen Liter Wasser, was dem täglichen Bedarf von etwa 12.700 Menschen über ein ganzes Jahr entspricht. Zudem entstehen laut Falk bei Rohstoffabbau und Chipproduktion Chemikalien, die in die Umwelt gelangen und nach Analyse der Wissenschaftlerin potenziell krebserregend für Menschen sind.
Die Ergebnisse zeigen ihren Angaben zufolge, dass der Ressourcenverbrauch bislang unterschätzt wurde: Demnach werden rund ein Drittel mehr Rohstoffe benötigt als bisher berechnet. Während der Energieverbrauch gut erfasst sei, fehlten belastbare Daten zu weiteren Umweltwirkungen.
Viele negative Folgen für die Umwelt seien erst im Verlauf ihrer Forschung deutlich geworden, erklärte Falk. Im Unterschied zu bisherigen Studien berücksichtigt ihre Arbeit nicht nur Stromverbrauch und CO2-Ausstoß, sondern insgesamt 16 Umweltkategorien. Dazu zählen auch Landnutzung sowie Schadstoffbelastungen für Menschen und Umwelt.
Die Auswirkungen treten laut Falk nicht am Ort der Nutzung auf. Rohstoffe würden beispielsweise in Lateinamerika und Südostasien gewonnen, die Halbleiterherstellung erfolge aber zu großen Teilen in Taiwan. „Die betroffenen Regionen bleiben in der Debatte oft unsichtbar“, sagte Falk.
Für Politik und Forschung sieht Falk Handlungsbedarf. Der Fokus auf Effizienz, etwa bei Rechenzentren, greife zu kurz, da effizientere Systeme insgesamt mehr Nutzung und damit höheren Verbrauch auslösen könnten. Stattdessen sollten absolute Umweltwirkungen und zusätzliche Kriterien stärker in Bewertung und Regulierung einbezogen werden, fordert Falk. Auch im Alltag sei ein bewussterer Umgang möglich: Nicht jede Anwendung müsse mit KI gelöst werden.