Zu perfekt für diese Welt

von Redaktion

Bremen – Hohe Ansprüche an sich selbst, volle To-do-Listen und das Gefühl, nie ganz fertig zu sein – auf Dauer kann das aus Sicht einer Psychologin sogar lebensgefährlich sein. Dies alles sorgt für Belastungsstress und einen permanent hohen Cortisolspiegel, sagte Nicola Johnsen am Mittwochabend bei einem Online-Vortrag an der Bremer Apollon Hochschule der Gesundheitswirtschaft. Dieser Perfektionismus könne zu Depressionen und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen.

Je rigider man an zu hohen Ansprüchen festhält und den eigenen Selbstwert an Leistung koppelt, desto stärker schadet das der Gesundheit, sagte Johnsen. Wegen Daueranspannung fehle die Möglichkeit, sich zu regenerieren. „Man ist nicht produktiver und effizienter, deshalb sollte man die Perfektion im Zaum halten“, erklärte die Expertin. Denn diese koste „kognitive Ressourcen, die eigentlich für Leistung und Regeneration wichtig wären“. Sie rät zu einem gesünderen Umgang mit der eigenen Energie sowie den Erwartungen an sich selbst.

Besonders ausgeprägt sei der Hang zum Perfektionismus bei Frauen, mahnte Johnsen. „Frauen werden mehr darauf getrimmt, anderen zu gefallen und kritischer mit sich selbst zu sein.“ Sie hinterfragten sich selbst in allen Lebensbereichen – vom Aussehen bis zur Leistungsfähigkeit. Dies sei ein erlerntes Verhalten, das man auf die Sozialisierung zurückführen könne.

Ein Ergebnis sei, dass Frauen doppelt so häufig unter Depressionen litten wie Männer: „Ohne erhöhtes Cortisollevel keine Depression“. Allerdings litten auch Männer unter ihren hohen Ansprüchen und seien deshalb gestresst, „aber sie holen sich einfach keine Hilfe“. Dies führe bei ihnen zu einer erhöhten Suizidgefahr.

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