Earth Day macht den Menschen Mut

von Redaktion

Trotz weltweiter Klimakrise: Autor David Nelles (30) sieht viele Gründe für Optimismus

Vegetarische Ernährung spart Emissionen. © Getty Images

Erneuerbare Energien sind auf dem Vormarsch. © Hoppe/dpa

Die Luchspopulation erholt sich wieder. © Philipp/dpa

David Nelles ist ein Mutmacher. Er findet, wer nur sieht, was schiefläuft, bekommt ein falsches Weltbild. © Nelles/Penguin

München – Heute ist Earth Day – vor 31 Jahren als internationaler Umweltschutztag gegründet. Als Tag, der Mut machen soll. „Wer immer nur sieht, was alles schiefläuft, bekommt ein falsches Weltbild“, ist David Nelles (30) überzeugt. Der Autor und Gründer der Klimafabrik findet: „Es gibt Grund zum Optimismus!“ Der Mensch sei fähig, Probleme zu lösen, zum Beispiel indem er neue Technologien entwickelt. Es gebe längst konkrete Erfolge im Klimaschutz und klimafreundliche Technologien seien mittlerweile wettbewerbsfähig, sodass selbst hartnäckige Gegner dagegen nicht ankommen.

Luftqualität wird immer besser: In Städten gibt es seit 2015 rund 30 Prozent weniger Feinstaubbelastung: „Neue effizientere Motoren, Tempolimits und Begrünungsmaßnahmen machen am Ende einen großen Unterschied“, so Nelles: „Umweltauflagen haben gewirkt.“

Ozonloch schließt sich: Im vergangenen Jahr so schnell wie noch nie zuvor. Das ist das Ergebnis von Maßnahmen, die vor 40 Jahren beschlossen wurden, als FCKW weltweit verboten wurden. David Nelles: „Die Natur hat eine große Regenerationskraft. Wir müssen ihr nur die Chance geben.“

Regenerative Energien sind auf dem Vormarsch: 2015 beim Pariser Klimaabkommen lag ihr Anteil bei 20 Prozent. Nelles: „Heute baut die Welt viermal mehr Wind- und Sonnenstrom-Anlagen als neue fossile Kraftwerke.“ In Deutschland wurden im dritten Quartal 2025 genau 64,1 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen erzeugt. „Die meisten Länder sitzen längst mit uns im Boot, weil es sich mittlerweile wirtschaftlich lohnt, auf Erneuerbare Energie zu setzen.“

Kohleausstieg ist möglich: Belgien, Österreich, Schweden und Portugal haben ihn längst geschafft, im letzten Jahr kamen Spanien, Irland und Großbritannien dazu. In Deutschland soll der Ausstieg bis spätestens 2038 vollbracht sein.

E-Mobilität ist weltweit im Kommen. In Deutschland beträgt die Quote zwar erst vier Prozent bei den Pkw und 31 Prozent bei Neuzulassungen, doch man müsse Klimaschutz international betrachten, so Nelles: „In Äthiopien sind es 60 Prozent, in Nepal 70 Prozent und Uruguay hat seinen Anteil von null auf 30 Prozent gesteigert.“ Neue Techniken werden einen Schub bringen: „In wenigen Jahren sollten Feststoffbatterien serienreif sein.“

Artenschutz wirkt: Das weltweite Artensterben ist ein ernstes Problem, der Verlust an Vielfalt gefährdet langfristig die Lebensgrundlage des Menschen. Nelles sieht dennoch ermutigende Anzeichen: „Die Zahl der bedrohten Tier- und Pflanzenarten ist in den letzten 20 Jahren ganz leicht gesunken.“ An der Wiederansiedlung und dem Schutz einzelner Tiere wie dem Luchs oder Walen wurde gezeigt, dass Artenschutzmaßnahmen wirken können.

Akzeptanz für Umweltschutz: Für 54 Prozent der Deutschen sind Klima- und Umweltschutz sehr wichtig, 91 Prozent finden, die Wirtschaft solle klimafreundlich gestaltet werden. Diese Einstellung spiegelt sich laut Nelles bei der Ernährung wider: „Der Fleischkonsum ist seit 2018 um 13 Prozent gesunken. Alle Vegetarier zusammen, sparen so viel CO2-Belastung, wie der gesamte deutsche Luftverkehr ausstößt!“

Aktiv werden: „Die persönlichen Hebel kennt jeder“, so Nelles: „Mehr Gemüse essen, weniger Auto fahren und fliegen.“ Ein Extra-Tipp: keine perfekten Lösungen erwarten. Egal, welches Thema: Sobald jemand in der politischen Debatte eine neue Maßnahme vorschlägt, würden nur die Probleme und Hürden aufgezählt. Doch: Die perfekte Lösung gibt es meist nicht. Es gehe darum, Kompromisse und schnelle kleine Schritte zu machen. „Wir brauchen Erfindungen, wir brauchen die Politik für die Rahmenbedingungen, und die Menschen, die mitziehen.“

Buchtipp: David Nelles beschäftigt die Frage, warum Lösungen aus dem Blick geraten. Sein aktuelles Buch „Politikzirkus“ weist einen Weg aus dem Dauergejammer.SUS

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