Den Eisheiligen geht die Puste aus

von Redaktion

Klimawandel: Berühmte Bauernregel verliert immer mehr an Bedeutung

Viele warten mit dem Pflanzen ihrer Blumen auf die Eisheiligen. © Hildenbrand/dpa

Stuttgart – Vor allem Hobbygärtner schauen Jahr für Jahr bang auf die sogenannten Eisheiligen, die Mitte Mai noch einmal Spätfrost bringen und die jungen Pflanzentriebe und Setzlinge angreifen können. Lange galt als gesetzt, dass es sich zwischen etwa dem 11. und 15. Mai noch einmal deutlich abkühlt – teils sogar mit Bodenfrost. Kein festes Naturgesetz, sondern eine Erfahrungsregel aus der Landwirtschaft. Und nach wie vor warten viele Gärtner, bis sie vorbei sind.

Denn Gedenktage wie die Eisheiligen erinnern an Bauernregeln, die sich Landwirte und Profi-Gärtner angeeignet haben – und die auch für Hobbygärtner wichtig werden können. Mit Blick auf die klassischen Namen für die einzelnen Tage lauten diese Bauernregeln zum Beispiel: „Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.“ Oder: „Pflanze nie vor der kalten Sophie.“ Und nicht weniger einprägsam: „Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.“

Die klassischen Eisheiligen stehen vom 11. bis 15. Mai im Kalender, mit „Mamertus“ im Norden ab dem 11. und der „Kalten Sophie“ als Abschluss am 15. Mai im Süden. Zumindest in diesem Jahr scheint die Sorge vor ihnen aber eher unbegründet, betrachtet man die Langfrist- und Wochenmodelle der Wetterexperten. Sie halten Mitte Mai eine wärmere Witterung für wahrscheinlich – wenngleich Prognosen mit einem dreiwöchigen Vorlauf sprunghaft sein können, wie der Deutsche Wetterdienst betont.

Sicher ist hingegen, dass die Nächte in den kommenden Tagen trotz der frühsommerlichen Wärme weiter frostig werden. „Wir haben eine kalte polare Luftmasse, die hereingeführt wird“, sagte ein DWD-Meteorologe. „Die Nächte sind sternenklar, da kann es auch schon mal leichte Minusgrade haben.“ Als grober Richtwert sind die Eisheiligen aus Sicht des DWD aber auch nicht mehr das, was sie mal waren: Zwar könnten Spätfröste auch heute noch auftreten, sie seien nur seltener und oft weniger ausgeprägt, sagt Andreas Brömser, Experte für Agrarmeteorologie beim DWD.

Für ihn sind die Eisheiligen mit Blick auf den Klimawandel weitgehend hinfällig. Denn: Die Frostgrenze verschiebt sich weiter nach vorn. „Es ist so spät nur noch selten so kalt, dass man Frost hat“, sagt Brömser. „Und es gibt keine Untersuchung, dass es wirklich eine Gesetzmäßigkeit der Regel gibt.“

Nach Angaben der Wetterforscher sind sie ihrem Ruf in den letzten zwei Jahrzehnten immer seltener gerecht geworden. Die Kaltlufteinbrüche kamen häufig deutlich früher. Fröste traten dabei jedoch seltener auf. Neuere Untersuchungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zeigen, dass die Häufigkeit von Kaltlufteinbrüchen Mitte Mai vor allem im süddeutschen Raum deutlich unter 50 Prozent liegt.

Ein Blick auf die jüngere Vergangenheit bestätigt das: Zuletzt erschienen die Eisheiligen laut DWD im Jahr 2020 pünktlich. 2024 und 2025 trat die markante Kälte jeweils einige Tage bis Wochen vor den traditionellen Terminen auf.

Mutige Hobbygärtner können also durchaus riskieren, früher mit dem Pflanzen loszulegen. „In den typischerweise milden Lagen Deutschlands liegt die Spätfrostwahrscheinlichkeit ab Anfang Mai bei unter zehn Prozent“, heißt es beim DWD.

Er benannte die Eisheiligen auch schon mal in „Schweißheilige“ um, mit Tageshöchstwerten von über 25 Grad in manchen Jahren.DPA

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