Königin Camilla, König Charles, Donald und Melania Trump (v. li.) beim Staatsbankett auf Schloss Windsor im September 2025. Jetzt steht der Gegenbesuch an. © Mills/AFP
London/Washington – Noch im September ist beim Staatsbesuch von US-Präsident Donald Trump im Vereinigten Königreich der große Prunk und Pomp präsentiert worden. Mit offenen Armen, rotem Teppich und Militärparade begrüßten König Charles III. und Premierminister Keir Starmer den Republikaner, der als großer Fan des britischen Königshauses gilt. Damals war Trump voll des Lobes über die unverbrüchliche amerikanisch-britische Beziehung, klopfte Starmer mit breitem Lächeln auf die Schulter – er „liebe“ das Vereinigte Königreich schließlich, schwärmte er vor Reportern.
Nun, wenige Monate später, sind die Vorzeichen anders. Ab Montag ist der britische Monarch gemeinsam mit Königin Camilla (78) zu einem mehrtägigen Staatsbesuch in den USA zu Gast – und der Ton ein ganz anderer. Insbesondere seit dem Ausbruch des Iran-Krieges, in dem Trump Großbritannien und anderen westlichen Partnern zu wenig Unterstützung vorwirft, hatten sich die Beziehungen des US-Präsidenten zu Großbritannien und Starmer deutlich verschlechtert.
Immer wieder holte der für wenig Zurückhaltung bekannte Republikaner gegen Starmer aus, kritisierte ihn etwa für die aus seiner Sicht fehlgeleitete Migrationspolitik. Die Beziehungen zu Großbritannien seien immer die besten gewesen, „bis Keir kam“, sagte er zuletzt etwa. Starmer sei eben kein Winston Churchill, stichelte er in herablassender Manier. Und selbst wenige Tage vor dem Besuch ist der US-Präsident kaum um Ruhe bemüht und schickt erneut Drohungen gen London. Reist der britische König nun also als Streitschlichter in die Vereinigten Staaten?
Aus Sicht des Verfassungsexperten und Royal-Kenners Craig Prescott von der Londoner Universität Royal Holloway ist die Reise in die USA „zweifellos ein schwieriger Staatsbesuch für den König“. „Hier gilt es einen diplomatischen Spagat zu meistern“, sagte Prescott. Das liege allerdings nicht nur an der derzeit angeknacksten Beziehung, sondern auch an der Unberechenbarkeit des US-Präsidenten. Normalerweise seien Staatsbesuche wie dieser Routine für den Monarchen, jede Sekunde werde bis ins kleinste Detail geplant. Mit Trump sei das allerdings nur bedingt möglich.
Material für mögliche Konflikte gibt es jedenfalls zur Genüge. Wenige Tage vor dem Staatsbesuch kursierte einem unbestätigten Medienbericht zufolge im Pentagon eine Mitteilung, in der erwogen werde, die bisher probritische Haltung der USA zum Anspruch Argentiniens auf die Falklandinseln im Südatlantik zu überdenken. Angesprochen auf die Berichte, machte ein britischer Regierungssprecher klar, die Souveränität liege beim Vereinigten Königreich.
Darüber hinaus sorgte Trump am Donnerstag mit einer erneuten Zolldrohung für Aufsehen. Sollte Großbritannien seine Digitalsteuer für US-amerikanische Techunternehmen nicht aufheben, könnten die USA „hohe Zölle gegen Großbritannien verhängen, also sollten sie besser vorsichtig sein“, drohte Trump.
Und dann wäre da noch der andauernde Streit um den Iran-Krieg und Trumps immer wieder geäußerte Fantasie, Kanada zum „51. Bundesstaat“ machen zu wollen. Charles ist auch König von Kanada und damit das offizielle Staatsoberhaupt des Landes, zumindest hinter den Kulissen dürften dem Monarchen solche Aussagen daher kaum gefallen. Erst im vergangenen Jahr bekräftigte er bei einem Besuch in Ottawa die Souveränität Kanadas, sagte Prescott.
Trotz der Schüsse beim Korrespondentendinner in Washington soll der Staatsbesuch des britischen Königspaars wie geplant stattfinden. Das teilte der Buckingham-Palast laut der britischen Nachrichtenagentur PA am Sonntagabend mit.
Zunächst hatte der Palast eine Überprüfung angekündigt. „Wie zu erwarten, wird es über den Tag verteilt eine Reihe von Gesprächen geben, um mit US-Kollegen und unseren entsprechenden Teams darüber zu sprechen, in welchem Maße die Ereignisse vom Samstag die Pläne für den Besuch beeinflussen“, sagte ein Palastsprecher demnach. Neben Treffen mit Trump, einem Staatsbankett und einer Rede vor dem Kongress sind auch Termine in New York geplant.
Der König werde vollständig über die Entwicklungen auf dem Laufenden gehalten und sei «sehr erleichtert zu hören, dass der Präsident, die First Lady und alle Gäste unverletzt geblieben sind», hieß es weiter.